Was war Shinrans Ansicht bezüglich eines übernatürlichen Wesens und dessen Eingreifen in das individuelle Dasein der Wesen?

Shinran war Buddhist und das bedeutete für ihn erst einmal, was es grundsätzlich für alle Buddhisten bedeutet – Götter, ‚übernatürliche Wesen‘, Geister etc. werden nicht geleugnet, sie spielen aber für die Erlangung der Befreiung aus dem Leiden keine Rolle, sind also nicht ‚heilsrelevant‘. Allerdings gab es in Japan schon zu Shinrans Zeiten eine starke Verflechtung des Buddhismus mit den Kami, also den Gottheiten des Shinto, sowie die  offizielle Funktion der verschiedenen Schulen und Tempel im Sinne einer ‚magischen‘ Schutzwirkung für den Staat und die Bürger. Dort wurden Riten ausgeführt, von denen sich der Kaiser und das Herrscherhaus, aber auch das ganze Land, Frieden und Stärke erhoffte.

Das buddhistische Institutionen sich in diese magische Denkweise und Struktur einfügten, mag man nun entweder als Adaption an die bestehenden politischen und kulturellen Verhältnisse deuten, oder aber im Sinne einer generellen Korrumpierung des buddhistischen Klerus und des Dharma. Ich persönlich denke, es wird wohl eine Mischung aus beidem sein, die zu dieser – in allen Religionen zu findenden – Entwicklung geführt hat. Letztlich war es eben auch diese Verflechtung der Tempel in die politischen Verhältnisse und die starke Ausrichtung auf diese magischen Praktiken und die staatlichen Funktionen, die es für jene, die ernsthaft nach persönlicher Befreiung suchten, sehr schwer machte, dieser Motivation auch folgen zu können – und was eben zur Gründung der ’neuen Schulen‘ in der Kamakura Zeit Japans führte, wie Nichiren- Buddhismus, Zen und Jodo Shu/Jodo Shinshu.

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Amida, kommend in der Stunde des Todes (rinju raiko)

Im traditionellen Reine Land Buddhismus geht es vor allem darum, sich in einer permanenten Vergegenwärtigung Amidas seiner Erlösungskraft zu versichern. Übungen, wie die Rezitation des Nembutsu viele tausend mal am Tag, oder auch Visualisierungen des Reinen Landes, oder Amida Buddhas, sollen diese Präsenz Amidas und damit die Wirklichkeit seiner erlösenden Kraft für den Praktizierenden erlebbar machen.

In der Jodo Shu entwickelten sich im Zuge dieser Ideen besonders ausgefeilte Sterbebett-Riten (rinju-gyogi), die unter anderem vorsahen, das der Sterbende eine Kordel in seinen Händen hielt, die mit einer bildhaften Darstellung Amidas und der ihn begleitenden Bodhisattvas verbunden war. Der Hintergrund war die Betonung der traditionellen Reine Land Lehre, die den Moment des Todes als entscheidend ansah, ob ein Mensch letztlich die Erlösung durch Amida erfuhr, oder nicht. All die Übungen im Leben des Praktizierenden waren im Grunde auf diesen letzten Moment hin ausgerichtet und sollten sicherstellen, das er in diesem entscheidenden Augenblick diesen Fokus nicht aus den Augen verlor und Amida Buddha ihm tatsächlich gemäß seinen Gelübden im Sterben erscheint und ins Reine Land geleitet . (mehr …)

Published in: on 10. März 2009 at 15:57  Schreibe einen Kommentar  
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