Wie kommt es zur Abkürzung Namandabu?

Ich wüsste gern, woher das „Namandabu“ kommt, bzw. wie es zu dieser, eigentlich doch falschen Abkürzung gekommen ist.

Das aus „Namu-Amida-Butsu“ kurz „N’Amida-Bu“ wird, macht irgendwo noch Sinn, aber „Namandabu“?


Vielen Dank für Deine interessante Frage. Ich bin selber kein Fachmann für das Japanische und hätte hier erstmal generell eine Lautverschiebung über die Jahrhunderte hinweg vermutet. Ich kenne allerdings einen Shingon Priester in Japan, der mir dies etwas detailierter beantwortet hat und in der Folge möchte ich dies kurz zusammenfassen.

Grundsätzlich liegt es in der Tat in der speziellen Lautlehre des Japanischen begründet.

南無阿彌陀佛 NA MU A MI DA BUTSU – dies ist die korrekte, wenn man so will akademische, Aussprache, die ebenfalls die moderne ’strikte‘ Aussprache des Nembutsu darstellt. Allerdings gibt es mittelalterliche Variationen in der Aussprache, die von dieser Form des ‚Oxford‘ -Japanisch, wenn man es einmal so nennen möchte, abweichen.

Im Einzelnen gilt für diese früheren Variationen der Aussprache:

1. Nach einem Nasallaut kann im mittelalterlichen Japanisch das End ‚u‘ weggelassen werden, also wäre hier möglich: NAM‘

2. A MI DA wird, wenn es schnell gesprochen wird, oft zu AMDA, was sich dann auch zu ANDA lautlich weiter verschieben kann. Das kann schnell passieren, weil es im Japanischen eigentlich keinen wirklichen Unterschied zwischen ‚anda‘ und ‚amda‘ gibt, was sich auch an ‚Nembutsu‘ und ‚Nenbutsu‘ zeigt, beides gebräuchlich und ‚richtig‘. Ein Nasallaut vor dem japanischen ‚m‘, ‚b‘ oder ‚p‘ wird wie ‚m‘ ausgesprochen, aber als ’n‘ geschrieben. Vor ‚a‘, ‚d‘ oder anderen Konsonanten, wird ein Nasallaut immer als ’n‘ ausgesprochen, also ‚amida‘ -> amda ->anda.

3. Die mittelalterliche Aussprache von BUTSU war grundsätzlich BU (mit oder ohne einem ‚t‘ am Ende, was manchmal nasal quasi noch drangehängt wurde und vom Tang Chinesischen herrührt) und diese Aussprache ist in den Liturgien quasi bewahrt worden, wie man dies ja auch in anderen Kulturen findet, wo liturgische Gesänge oder Rezitationen ältere sprachliche Varianten und Formen tradieren.

Also ist NAM‘-AN’DA-BU‘ das Resultat solcher Lautverschiebungen des mittelalterlichen Japanisch. Modernes Japanisch folgt etwas anderen Regeln und so kann man solche Formen nicht direkt aus dem modernen Japanisch herleiten oder erklären. Solche sprachlichen Anachronismen verbleiben eben im Rahmen eines religiösen Kontextes quasi aktiv, vor allem weil sie ursprünglich oral tradiert wurden, was sie generell weniger anfällig für neue Formen der Aussprache und Regeln der Grammatik machte.

Published in: on 8. Februar 2011 at 19:35  Schreibe einen Kommentar  
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