Wie weiß der Shin Buddhist, daß er Shinjin erfahren hat?

Wenn Shinjin nicht wie Kensho oder Satori vom Roshi geprüft oder bestätigt wird, wie weiß ein Shin Buddhist, dass er Shinjin erfahren hat, oder überhaupt erfahren wird? Wie erhält man Shinjin, wenn man Shinjin nicht gewinnen oder erreichen kann?

Nun, diese Frage kommt natürlich konsequenterweise auf, wenn man sich mit der Lehre Shinrans beschäftigt und sie trieb auch schon seine Schüler zu seinen Lebzeiten um. Grundsätzlich ist in der Tat noch einmal zu betonen, dass es keine Möglichkeit gibt, Shinjin zu erlangen im Sinne von daraufhin arbeiten oder es hervorrufen können. Dies wirkt auf den ersten Blick wie eine Abweichung von  buddhistischen Vorstellungen, ist es aber bei einem genauen Hinsehen nicht. Wenn wir davon ausgehen, daß das Ziel des buddhistischen Weges die Verwirklichung der Erleuchtung ist, das Erreichen des Nirvana, dann müssen wir immer im Hinterkopf haben, wie alle buddhistischen Schulen dieses Ziel definieren.

Diese Definition besagt eindeutig, daß Nirvana zu den unbedingten Daseinsfaktoren (Dharmas) gehört und auch nur deshalb als Ziel im spirituellen Sinne in Frage kommt. Der Buddhismus sieht die Wurzel allen Leidens in der Tatsache, dass wir in einer Welt leben, die durch bedingte Daseinsfaktoren bestimmt ist, also durch eine permanente Wechselwirkung von aufeinander bezogenen und sich gegenseitig bedingenden Faktoren, die immer neue Potentialitäten schaffen, aus denen das, was wir als Wirklichkeit betrachten, erwächst.

Leidfreiheit kann demnach nur gedacht werden, wenn man einen Zustand postuliert, der diesem Wechselspiel der sich gegenseitig immer wieder anstossenden Kräfte nicht unterworfen ist, also ein Daseinsfaktor ist, der durch nichts anderes bedingt ist. Bedingt und unbedingt müssen wir hier nah am Wort verstehen, sprich Nirvana ist in seiner angenommenen Leidfreiheit und dem damit vermittelten Frieden etwas, was durch nichts hervorgerufen sein kann – denn alles, was es hervorrufen könnte, wäre eine Bedingung seines Entstehens und Nirvana damit nicht mehr, was es nach buddhistischer Lehre per definitionem ist – eben ein unbedingter Daseinsfaktor.

Shinran war sich dieser elementaren Definition sehr bewußt und genau deswegen kam er ganz konsequent zu der Einsicht, daß es unmöglich ist – ja sein muss, bleibt man der Definition des Zieles treu – dieses Ziel in irgendeiner Form anzustreben, Erleuchtung lässt sich nicht erzeugen, Nirvana nicht erreichen. In den anderen buddhistischen Schulen verschwimmt leider diese ultimative Wahrheit in der Praxis, denn es ist eben oft so, daß eindeutig formuliert wird, das man durch Meditation etwa die Erleuchtung gewinnen  kann und deshalb gehört die meditative Praxis auch in der allgemeinen Wahrnehmung des Buddhismus dazu, ja es definiert ihn geradezu. Auch die Beachtung etwa der Silas, der ethischen Normen des Buddhismus wird oft als Weg zur Vorbereitung der Verwirklichung betrachtet und in diesem Sinne praktiziert. Praxis ist hier der bestimmende Faktor um das angestrebte Ziel zu verwirklichen.

Um hier den gordischen Knoten überhaupt noch lösen zu können, bei einer solchen Gegensätzlichkeit von Theorie und Praxis, schlug Shinran ihn ein für allemal durch – Nicht-Praxis ist der Weg, das Loslassen von Absichten klärt den Blick, nicht das (ego)-fokussierte Meditieren führt zum Ziel (was einem Münchhausen Trick des „sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen“ gleichkäme), sondern das Stillewerden, das Ausbremsen der Kräfte, die sich immer gegenseitig antreiben, „Höre, bis Du es ganz und gar umsonst empfängst…“

Aus diesem Grund besteht für Shinran auch eine fundamentale Trennung von Religion und Ethik, denn auch ethisches Handeln führt nicht zum Ziel. Heißt das nun, Shinran legte keinen Wert auf ethisches Handeln? Im Gegenteil, für ihn gehörte ein Leben gemäß moralisch-ethischer Maximen zu den ‚Zeichen‘ das jemand Shinjin erlangt hat. Nicht ethisches Handeln führt zur Erleuchtung, sondern die Vermittlung des Geistes Amida Buddhas, das Vertrauen in das Urgelübde, die absolute Zusicherung der Erlangung des in diesem Leben aufscheinenden Erleuchtungsgedankens führt zu einer schrittweisen Entmachtung des Egos und schwächt seine zutiefst egoistischen – ja egozentrischen – Wirkungen auf einen selber und auf andere. Auf der anderen Seite sollte ethisches Handeln nicht deswegen zur Maxime des eigenen Lebens erhoben werden, um etwas anderes dadurch zu erreichen, sondern es ist ein Wert an und für sich – Shinran ging es auch hier wieder um die Lösung aus berechnendem Denken und Handeln, das letztlich immer nur eine ego-bezogene Berechnung des eigenen Vorteils ist.

Das Eintauchen in das Unendliche Licht, als das Shinran Amida verstand, lässt die Fehler und Unzulänglichkeiten der menschlichen Natur scharf und kontrastreich hervortreten und macht sie sichtbar. Dies wiederum führt  – wieder nach der Idee des Jinen, also ganz zwanglos und natürlich – dazu, das sich Demut einstellt und das der vom Namen angesprochene weiteres Vertrauen in diese, ihn nun trotz seiner Schwächen tragende Wirklichkeit, gewinnt und sich von der Präsenz Amida Buddhas in seinem Dasein tragen lässt. Auf den Weg einer solch schonungslosen Selbsterkenntnis wiederum gelangt man aber gerade wegen dieser erkannten Schwächen, denn jemand, der sie nicht als solche wahrnimmt, unterliegt weiter der Selbstverblendung, er könne selbst etwas in Hinblick auf die Erlangung des Nirvana erreichen und treibt die zugrundeliegenden Kräfte, die eben das verhindern, weiter an.

Abgesehen von solchen eher subtilen Zeichen, durch die es sich ausdrücken kann, ist Shinjin für jeden Menschen etwas zutiefst Persönliches und kann deswegen auch nicht von außen, sprich von anderen beurteilt werden (obwohl genau das gerne von manchen getan wird…). Ob jemand Shinjin erfahren hat, lässt sich nicht wirklich an konkreten Punkten festmachen, selbst für jeden Einzelnen mag dies eher schwierig einzuschätzen sein, denn das Ego ist der Filter durch den wir die Welt und uns betrachten und möchte sich vielleicht gerne eben dadurch adeln, zu sagen, es habe Shinjin erlangt. In diesem Sinne bleibt sich eine wirklich shin-buddhistische Einstellung nur treu, wenn es diese Bewertung als nicht wichtig ablegt, wenn man erkennt, das es keine Rolle spielt, ob man nun gewisse Schablonen erfüllt oder nicht. Im Hintergrund sollte man immer die grundsätzliche Einstellung Shinrans haben, der den Weg, den er lehrte und ja auch selber ging und an der schlichten Erkenntnis festmachte, daß es keine Alternative zu ihm gibt:

As for me, I simply accept and entrust myself to what my revered teacher told me, „Just say the Nembutsu and be saved by Amida“; nothing else is involved.
I have no idea whether the nembutsu is truly the seed for my being born in the Pure Land or whether it is the karmic act for which I must fall into hell. Should I have been deceived by Master Honen and, saying the nembutsu, were to fall into hell, even then I would have no regrets.
The reason is, if I could attain Buddhahood by endeavoring in other practices, but said the nembutsu and so fell into hell, then I would feel regret at having been deceived. But I am incapable of any other practice, so hell is decidedly my abode whatever I do. — Shinran

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Published in: on 23. Juli 2014 at 13:23  Schreibe einen Kommentar  
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Die „Shinshu-Perspektive“ ist in diesem Sinne doch ebenfalls nichts anderes als „theoretische Überlegung“, oder?

Deine plötzliche Skepsis gegenüber „theoretischen Überlegungen“ ist ein wenig überraschend – und vor allem ziemlich betriebsblind.
Die „Shinshu-Perspektive“ selbst ist in diesem Sinne doch ebenfalls nichts anderes als „theoretische Überlegung“.

Es ist weder das eine, noch das andere. Ich bin nicht ’skeptisch gegenüber theoretischen Überlegungen‘ und sicher, auch die Lehren Shinrans sind natürlich spirituell-philosophische Modelle, wie andere auch. Also auch von ‚betriebsblind‘ keine Spur. Ich fürchte, wir reden aneinander vorbei, wenn wir von theoretischen Überlegungen sprechen. Was ich meinte war, daß all das, was man im buddhistischen Kontext der Kultivierung der Dharma-Praxis als dezidierten Weg ein ziemlich genau definiertes (Heils-) Ziel zu erreichen, zuschreibt, eine ‚theoretische Überlegung‘ bleibt. Eben weil es dieses Endziel offenbar nicht zu verwirklichen hilft. Das meinte ich mit, es gibt sehr viele Buddhisten, aber keine Buddhas.

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Ist nach Deinem Verständnis die Shinjin Erfahrung auf Shinrans Weg beschränkt?

Ich frage ich mich, ob nach Deinem Verständnis die Erfahrung von  ‚Shinjin‘ auf Shinrans Weg beschränkt ist, oder ob auch wir ‚anderen‘ Buddhisten diese Erfahrung bei unserer Vipassana-, Chan/Zen-,  Mahamudra-, etc.-Praxis erleben können. Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, können wir dann ‚Shinjin’=Stromeintritt=Satori schreiben?

Shinjin gilt bei Shinran als Erfahrung, die sich gerade dann auftut (zumindest als Möglichkeit), wenn man alle auf Eigen-Kraft basierenden Übungen aufgibt. Insofern müsste man wohl konsequenterweise sagen, daß diese Erfahrung sich nicht einstellt (genauer: sich nicht einstellen kann), wenn man Übungen des ‚Pfads der Weisen‘ verfolgt. Dies deshalb, weil es nach Shinran schlicht unmöglich ist, daß ‚Ich‘ als treibende Kraft – im Sinne einer ständigen Durchdringung mit egoistischen Einflüssen, egal wie subtil auch immer – abzuschalten, oder zu umgehen. Der Unterschied zwischen den Wegen zeigt sich ja für Shinran genau in diesem Punkt und solange man meint, durch diverse Übungen die Erleuchtung verwirklichen zu können, ist dieser Wunsch gleichzeitig der Balken, der diese Türe blockiert, um es einmal bildhaft zu formulieren. (mehr …)

Wie würdest Du Deine ‚Gottheit‘ beschreiben?

Es würde mich interessieren, wie jene hier in diesem Forum (-> bezieht sich auf das Forum, wo diese Frage an alle gestellt wurde), die an eine Gottheit glauben, diese beschreiben. Also, was macht sie verehrungswürdig? Wie manifestiert sie sich? Was sind ihre Kräfte und sind sie in irgendeiner Weise eingeschränkt?

Nun, ich weiß nicht, ob die buddhistische Sicht für Dich interessant ist (-> die Frage wurde in einem Forum gestellt, welches vor allem von Theisten (Christen, Bahai, Mormonen) besucht wird), da Du explizit nach einer Gottheit fragst, aber ich werde es versuchen entsprechend zu beantworten. Ich werde es möglichst kurz machen, aber vorher ist es wichtig, deutlich zu machen, was ich meine, wenn ich eine Frage nach ‚meiner Gottheit‘ beantworte.

In der Tradition der Jodo Shinshu haben wir einen bestimmten Buddha als Fokus unserer Spiritualität und dies ist Amida Buddha. (mehr …)

Kannst Du etwas zu Deiner eigenen Shinjin Erfahrung sagen?

Nein, leider nicht, zumindest nicht im Sinne einer erschöpfenden Erklärung. Ich hatte vor etwa 10 Jahren eine Erfahrung, aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, wie ich es bechreiben soll. Normalerweise sage ich, daß ich einen kurzen Blick auf  das werfen konnte, was Shinran mit Shinjin meinte, eine spontane Ahnung davon in mir auftauchte. Zu sagen, ich hatte oder habe Shinjin, steht  auch der konstanten Realisierung meiner ‚bombu‘ Natur entgegen und es ist ja gerade die Bewußtwerdung dieser Natur, die Shinjin überhaupt erst möglich macht. Es gab so etwas wie ein tiefes, spontanes Gefühl, daß ich nicht ‚aus dem System fallen kann‘ sozusagen, egal wie sehr ich es auch versuchen würde, egal was auch passiert. Deswegen kann ich genauso gut aufhören mit solchen Versuchen und mich entspannen.

Was Shinran mit Shinjin verbindet ist ja eben das Herausnehmen dieser ständigen Spannung und des Drucks, nicht nur aus dem spirituellen Leben, sondern aus unserer menschlichen Existenz an sich, die Hinterfragung der immer präsenten Machbarkeitsideologie. Diese Grundentspannung wird in allen budddhistischen Schulen im Grunde mit dem Erreichen einer bestimmte höheren Stufe der Einsicht in die Natur der Dinge verbunden, allerdings ist der Weg dahin oft alles andere als entspannt und verstärkt eher noch den Druck, was ziemlich kontraproduktiv erscheint. (mehr …)

Was war Shinrans Ansicht bezüglich eines übernatürlichen Wesens und dessen Eingreifen in das individuelle Dasein der Wesen?

Shinran war Buddhist und das bedeutete für ihn erst einmal, was es grundsätzlich für alle Buddhisten bedeutet – Götter, ‚übernatürliche Wesen‘, Geister etc. werden nicht geleugnet, sie spielen aber für die Erlangung der Befreiung aus dem Leiden keine Rolle, sind also nicht ‚heilsrelevant‘. Allerdings gab es in Japan schon zu Shinrans Zeiten eine starke Verflechtung des Buddhismus mit den Kami, also den Gottheiten des Shinto, sowie die  offizielle Funktion der verschiedenen Schulen und Tempel im Sinne einer ‚magischen‘ Schutzwirkung für den Staat und die Bürger. Dort wurden Riten ausgeführt, von denen sich der Kaiser und das Herrscherhaus, aber auch das ganze Land, Frieden und Stärke erhoffte.

Das buddhistische Institutionen sich in diese magische Denkweise und Struktur einfügten, mag man nun entweder als Adaption an die bestehenden politischen und kulturellen Verhältnisse deuten, oder aber im Sinne einer generellen Korrumpierung des buddhistischen Klerus und des Dharma. Ich persönlich denke, es wird wohl eine Mischung aus beidem sein, die zu dieser – in allen Religionen zu findenden – Entwicklung geführt hat. Letztlich war es eben auch diese Verflechtung der Tempel in die politischen Verhältnisse und die starke Ausrichtung auf diese magischen Praktiken und die staatlichen Funktionen, die es für jene, die ernsthaft nach persönlicher Befreiung suchten, sehr schwer machte, dieser Motivation auch folgen zu können – und was eben zur Gründung der ’neuen Schulen‘ in der Kamakura Zeit Japans führte, wie Nichiren- Buddhismus, Zen und Jodo Shu/Jodo Shinshu.

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Was für einen Glauben hatten Sie vor der Konversion?

Ursprünglich war ich bereits als Jugendlicher sehr stark am Buddhismus interessiert und habe mich ab dem Alter von 14 mit dem Dharma beschäftigt. Etwa vier Jahre habe ich vor allem die Traditionen Theravada, Zen und später auch Vajrayana (Tibetischer Buddhismus) studiert.

Danach kam eine Phase, in der ich mich sehr für den ‚okkulten Untergrund des Abendlandes‘ interessierte, also Gnostizismus und hermetische Magie, was zur ‚Begegnung‘ mit der Figur Aleister Crowleys führte. Crowleys Thelema Lehre wurde für viele Jahre meine persönliche Richtschnur und Basis einer spirituellen Entwicklung und praktisch gelebten Magie, wobei festgehalten werden muss, dass sich auch in Crowleys Lehre (die kein Satanismus ist, wie leider allzu oft von unwissender Seite propagiert wird – nachzulesen in meiner religionswissenschaftlichen Studie: Aleister Crowley’s Scientific Illuminism. Magie und Mystik als angewandte Psychologie zur Transformation des Menschen) viel von dem findet, was auch der Buddhismus in seinen vielfältigen Schulen lehrt und das eigentliche Hauptziel, die Entmachtung des Egos, welches die leidschaffenden Illusionen aufrecht erhält, im Grunde gleich ist. (mehr …)

Wie kann Amida wirken, wenn er nur ein Mythos, eine Fiktion ist?

Du beziehst Dich auf das Essay von Dr. Nobuo Haneda, in dem er Amida ein ‚personal Symbol‘ nennt. Nun Deine Verwirrung ist verständlich, aber letztlich liegt es nur daran, daß Du denkst, ein ‚Mythos‘ sei das gleiche wie eine Lüge. Das Problem ist einfach, daß wir nicht mehr gewohnt sind,  den tatsächlichen Gehalt und die eigentliche Bedeutung von Symbolen wahrzunehmen. Für uns sind Symbole etwas ohne ‚wirkliche‘ Essenz, ohne tatsächlichen Inhalt, ohne Realität, die dahinter steht. Es ist einfach ein Zeichen, eine Botschaft, die in einer bestimmten Gestalt daherkommt. Ich denke, es liegt daran, daß wir eben nicht mehr in den ‚mythischen Zeiten‘ leben, wo die Leute ein gänzlich anderes Verständnis dieser Dinge hatten. Wir versuchen alles rational zu erfassen und zu bewerten und können diese Bilder nur schwer mit dem in Übereinstimmung bringen, was wir als menschliche Wesen überhaupt in der Lage sind zu begreifen. Amida ist nicht ‚einfach nur ein Symbol‘, ebenso wie der Mythos vom Reinen Land nicht einfach ’nur eine nette Geschichte‘ ist. Ich würde vorschlagen, Du befasst Dich einmal ausgiebig mit dem, was der bekannte amerikanische Mythologe Joseph Campbell über Mythen und Symbole zu sagen hatte. Etwa folgendes:

Myth is the secret opening through which the inexhaustible energies of the cosmos pour into human manifestation.

… a symbol, a mythic symbol, does not refer to something which is known or knowable in that rational way. It refers to a spiritual power that is operative in life and is known only through its effects. (mehr …)

Mappo

Im Mahayana Buddhismus hat sich die Vorstellung herausgebildet, daß der Dharma – wie alles andere in dieser Welt – natürlich ebenfalls dem Wandel und letztlich dem Verfall unterliegt. Anders gesagt, die Tatsache, daß im Buddha Dharma die ‚Wahrheit‘ enthalten ist, kann nicht verhindern, daß die Verkündigung dieser Wahrheit, die sich ja der Worte und der Menschen bedienen muss, um wirksam zu werden, eben gerade wegen dieser Vermittlung dem Wandel unterwirft. In diesem Sinne geht man davon aus, daß von der ersten Drehung des Dharmarades an, also ab der Zeit, in der der historische Buddha seine Lehre verkündete, ein steter Verfall seiner in dieser Welt manifestierten Lehre eintrat, was die Möglichkeit verringert, durch diese Befreiung zu erlangen. Traditionell geht man von einem dreigestaffelten Modell aus:

1. Die Zeit des Wahren Dharma (die Lehre erläutert die Praxis, die zur Erleuchtung führt und die Menschen setzen sie um)

2. Die Zeit des äußerlichen Dharma (die Praxis wird nur noch äußerlich als Routine betrieben, führt deswegen nicht mehr zur Erleuchtung)

3. Die Zeit des Niedergehenden Dharma (selbst die Praxis wird nicht mehr befolgt, Erleuchtung ist nicht mehr möglich)

Je nach Tradition dauern diese Perioden unterschiedlich lange (die ersten beiden zwischen 500 und 1000 Jahre, die letztere 10,000 Jahre), allen Vorstellungen gemeinsam ist die Ansicht, daß wir heute in der letzten Phase des Dharma leben und wenn diese zu Ende geht, selbst die Lehre des Buddha verschwindet, wie alles andere in der Welt des Samsara. (mehr …)

Published in: on 26. März 2010 at 13:01  Schreibe einen Kommentar  
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„Ander-Kraft“ – worin besteht das „Anders“-sein und was ist unter „Kraft“ in diesem Zusammenhang zu verstehen?

Das ‚Andere‘ bezieht sich nicht so sehr auf das ‚Sein‘ (nicht etwa im Sinne christlicher Theologie, die Gott als ‚den ganz anderen‘ definiert, um seine Transzendenz zu betonen), als vielmehr auf die ‚Richtung‘. Wir erfahren den Dharma generell als etwas, das wir quasi ‚von außen‘ erleben, wir hören Belehrungen, lesen Sutren, hören Musik, die die Rituale begleitet, nehmen uns wahr, wie wir den Dharma in unser Leben hereinlassen, was es dann transformiert. Tariki ist oft einfach auch ‚Kraft durch andere‘, die einem zuteil wird. Es ist eben nicht so, daß man beschließt, ’so, jetzt befreie ich mich mal‘ und man legt mit der Praxis los, die einen dann befreit, weil man so fleißig war. Obwohl genau das die Einstellung zu sein scheint, die viele haben, gerade im Westen wird das oft so im Sinne einer ‚Managerreligiosität‘ verstanden. Man erarbeitet sich sein Häuschen, werkelt an seiner Karriere, kraxelt die Leiter des Erfolgs rauf, etc.. und dann überträgt man diese zutiefst ego-zentrische ‚Macher‘-Sicht einfach auf den Buddhismus und erarbeitet und erkämpft sich die Befreiung vom Ego. (mehr …)

Was meinst Du mit dem *Prozesshaften des Dharma* ?

Dies bedeutet für mich nur, daß die Lehren Buddhas immer den Charakter eines Experimentes hatten,  es ging in allen Traditionen und Richtungen, die innerhalb des Buddhismus entstanden sind, immer um die Suche das Leiden zu beenden. Jemand experimentierte und fand wirksame Wege aus dem Zustand des Leidens und die verschiedenen Traditionen sind entstanden, weil weitere ‚Experimente‘ stattfanden auf der Grundlage der Lehren Buddhas. Verschiedene Traditionen konzentrierten sich auf spezifische Teile dieser Lehren und entwickelten sie weiter im Sinne einer ständigen Reflektion darüber, was ‚funktioniert‘ und Sinn macht. Der Buddha regte ja deutlich an zum konstruktiven ‚Zweifel‘ und deshalb bin ich Mahayana Buddhist, da ich den Dharma als lebendiges Schatzhaus von Erfahrungen eines dynamischen Weges zur Freiheit betrachte. Einem ‚theravadischen Fundamentalismus‘ (in der ursprünglichen Wortbedeutung verstanden), wie er leider recht oft – gerade bei Konvertiten – vorkommt, der außer dem Pali Kanon nichts gelten läßt, kann ich deswegen nichts abgewinnen. Für mich gilt denn auch die Maxime ‚Ich folge dem Dharma, nicht dem Buddha‘.

Published in: on 10. März 2010 at 16:24  Schreibe einen Kommentar  
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Die Drei Juwelen

Bezeichnung für die drei wesentlichen Stützen eines buddhistischen Lebens.  Buddha – Dharma – Sangha.

Die Zufluchtnahme beschreibt an sich eben genau das, man nimmt seine Zuflucht, man sucht Schutz und Stütze bei jemand oder etwas. Für Buddhisten sind dies:

– der Buddha, als unübertroffener Lehrer

– der Dharma, die Lehre des Buddha

– die Sangha, die Gemeinschaft all derer, die sich zu den ersten beiden Juwelen bekennen.

Published in: on 9. März 2009 at 15:19  Schreibe einen Kommentar  
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