Anjin und Shinjin – glauben an, oder vertrauen auf?

Der oft von Rennyo verwendete Begriff  ‚Anjin‘ bedeutet soviel wie ‚friedlicher Geist‘, beschreibt also einen Geisteszustand, der erfüllt ist von Frieden.  ‚Shinjin‘ bedeutet ‚anvertrauter Geist‘ und meint den Zustand vollkommenen Vertrauens auf das Gelübde Amida Buddhas. Rennyo verwendete sehr oft den Begriff Anjin und setzte ihn mit dem von Shinran bevorzugten Shinjin inhaltlich gleich. Shinran wiederum benutzte nur selten Anjin, er zitiert diesen Begriff in seinen Schriften hier und da,  da er als solches bereits vor Shinran benutzt wurde, etwa von Shandao Dashi, aber erst Rennyo verwendet beide Begriffe gleich oft.

Diese Tatsache und daß Rennyo beide vom Inhalt her gleichsetzt, hat letztlich dazu geführt, daß es zu einer gewissen Unschärfe und Bedeutungsverschiebung gekommen ist, wenn es darum geht, wie man heute in der Jodo Shinshu Shinjin versteht. Es gibt denn auch eine – bis heute andauernde – Diskussion darüber, ob beide Begriffe das gleiche bedeuten oder nicht und die offizielle Interpretation der Lehren Shinrans, wie wir sie im Hongwanji finden, basiert grundsätzlich auf der Annahme, daß Rennyo Shinran immer korrekt wiedergibt.

Auf der anderen Seite gibt es aber viele, die diesem Verständnis ablehnend gegenüberstehen und zwischen beiden Begriffen deutliche Unterschiede wahrnehmen. Shinran hat nie den Versuch gemacht, die Erfahrung des Shinjin in irgendeiner Weise zu begrenzen, oder von Zeichen abhängig zu machen, die belegen könnten, wer echtes Shinjin hat und wer nicht. Er hat keinerlei Dogmen damit verbunden und immer deutlich gemacht, daß diese Schlüsselerfahrung im Leben des Einzelnen nicht nur nicht von diesem hervorgerufen werden kann, sondern eben auch eine rein persönliche Erfahrung ist und bleibt. Sie steht als solche jenseits jeglicher Bewertung und Kritik durch andere. (mehr …)

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