Wie wird das 35. Gelöbnis interpretiert? Welche Rolle spielen Frauen im Shin Buddhismus im allgemeinen?

Im “Larger Sutra” steht das 35. Gelöbnis: “If, when I attain Buddhahood, women in the immeasurable and inconceivable Buddha lands of the ten directions who, having heard my Name, rejoice in faith, awaken aspiration for enlightenment, and wish to renounce womanhood should after death be reborn again as women, may I not attain perfect enlightenment.” Wie wird das Gelöbnis interpritiert? Welche Rolle spielen Frauen im Shin Buddhismus im allgemeinen?

Nun, das 35. Gelöbnis ist seit alters her ein problematischer Fall, weil es im Gegensatz zu Shinrans grundsätzlicher Lehre der Erlösung aus dem Vertrauen auf Amida Buddha jenseits aller Bedingungen, die zu erfüllen wären, einem traditionell patriarchalischen Denken verhaftet zu sein scheint. Die Stellung der Frau im Allgemeinen ist im Buddhismus nicht wirklich verschieden von anderen Religionen, die dieses Geschlechterdenken tradieren, was sich entsprechend in den verwendeten Bildern und Symbolen ausdrückt. So hat ein Buddha laut der Tradition 32 grosse Merkmale, sowie 80 kleinere Merkmale, die ihn als solchen auszeichnen und damit kenntlich machen und eines dieser Merkmale ist das männliche Geschlechtsteil. Geht man von einem solchen Bild aus, ist die Vorstellung, eine Frau könnte Buddhaschaft erlangen natürlich ausgeschlossen. Allerdings wäre es dann auch ausgeschlossen, das jemand dessen Augenfarbe nicht schwarz ist, Buddhaschaft erreichen könne, oder der keinen flachen Bauch hat. Die Merkmale eines Buddha sind dieser Vorstellung gemäß die Merkmale eines „grossen Mannes“ und lesen sich wie folgt:

Die 32 Großen Merkmale:

  1. die Fußsohlen eines Buddha sind so weich und eben wie der Brustpanzer einer Schildkröte
  2. auf den Handflächen und Füßen zeichnet sich ein Rad mit tausend Speichen ab
  3. seine Fersen sind schmal
  4. lang und schlank sind die Finger
  5. sanft und zart sind Hände und Füße
  6. die Bindehaut zwischen Zehen und Fingern ist fein wie ein Netz
  7. gewölbt ist der Spann
  8. die Beine sind schlank wie bei einer Gazelle
  9. stehend kann er, ohne sich zu beugen, mit beiden Handflächen die Knie befühlen und berühren
  10. in der Vorhaut verborgen ist das Schamglied
  11. gülden leuchtet der Körper, wie Gold erglänzt seine Haut
  12. die Haut ist geschmeidig, so geschmeidig, dass kein Staub und Schmutz daran haften bleibt
  13. aus jeder Pore wächst nur ein Haar
  14. die Körperbehaarung ist flaumartig
  15. die Haltung ist erhaben und aufrecht
  16. Fußsohlen, Handflächen, Schultern, und Kopf sind wohlgeformt
  17. der Bereich unter den Achseln ist gut gefüllt
  18. der Oberkörper ist löwenhaft, mit breitem Brustkorb
  19. ein Klafter hoch ist sein Wuchs
  20. seine Proportionen sind die des Banyan-Baumes: seine Körperlänge entspricht seiner Armweite, seine Armweite entspricht seiner Körperlänge
  21. gleichförmig sind die Schultern
  22. mächtig sind die Ohrmuscheln
  23. das Kinn ist löwenartig
  24. die Zähne sind vollständig
  25. die Zähne sind gleichmäßig gefügt, nicht auseinanderstehend, glänzend weiß ist das Gebiß
  26. strahlend weiß sind die vier Eckzähne
  27. lang und breit ist die Zunge
  28. tief und klangvoll ist die Stimme
  29. die Augen sind tiefschwarz
  30. die Wimpern sind wie bei einem königlichen Rind
  31. er hat eine weiße, leuchtende ūrṇā zwischen den Augenbrauen
  32. er hat eine Erhebung auf der Mitte des Kopfes

Die 80 Kleineren Merkmale sind:

  1. Er hat schöne Finger und Zehen.
  2. Er hat gut proportionierte Finger und Zehen.
  3. Er hat röhrenförmige Finger und Zehen.
  4. Seine Finger- und Fußnägel haben eine rosige Färbung.
  5. Seine Finger- und Fußnägel laufen leicht nach oben.
  6. Seine Finger- und Fußnägel sind glatt, gerundet und ohne Grate.
  7. Sein Knöchel und Handgelenke sind rund.
  8. Seine Füße sind von gleicher Länge.
  9. Er hat einen schönen Gang, wie der eines Königs-Elefanten.
  10. Er hat einen stattlichen Gang, wie der eines Löwen.
  11. Er hat einen schönen Gang, wie der eines Schwans.
  12. Er hat einen majestätischen Gang, wie der eines königlichen Ochsen.
  13. Sein rechter Fuß führt beim Gehen.
  14. Seine Knie haben keine hervorstehenden Kniescheiben.
  15. Er hat das Auftreten eines edlen Mannes.
  16. Sein Nabel ist ohne Makel.
  17. Er hat einen flachen Bauch.
  18. Er hat Zeichnungen auf dem Bauch, die im Uhrzeigersinn weisen.
  19. Seine Hüften sind abgerundet.
  20. Seine beiden Arme sind wie ein Elefantenrüssel geformt.
  21. Seine Haut ist dick oder dünn, wie es sein sollte.
  22. Seine Haut ist absolut glatt.
  23. Sein Körper ist makellos.
  24. Sein Körper ist makellos von oben bis unten.
  25. Sein Körper ist absolut frei von Verunreinigungen.
  26. Er hat keinen spitzen Ellbogen.
  27. Er hat eine vorspringende Nase.
  28. Seine Nase ist gut proportioniert.
  29. Seine Ober- und Unterlippe sind gleich groß und haben eine rosige Färbung.
  30. Seine Zähne sind makellos und ohne Zahnbelag.
  31. Seine Zähne sind lang wie polierte Muscheln.
  32. Seine Zähne sind glatt und ohne Grate.
  33. Seine fünf Sinnesorgane sind makellos.
  34. Seine vier Eckzähne sind weiß und gerundet.
  35. Sein Gesicht ist lang und schön.
  36. Seine Wangen sind strahlend.
  37. Die Linien auf seinen Handflächen sind tief.
  38. Die Linien auf seinen Handflächen sind lang.
  39. Die Linien auf seinen Handflächen sind gerade.
  40. Die Linien auf den Handflächen haben eine rosige Färbung.
  41. Seinen Körper umgibt eine zwei Meter reichende Aura.
  42. Seine Wangenhöhlen sind vollständig abgerundet und glatt.
  43. Seine Augenlider sind gut proportioniert.
  44. Die fünf Nerven der Augen sind makellos.
  45. Die Spitzen seiner Körperbehaarung sind weder gekrümmt noch abgebogen.
  46. Er hat eine abgerundete Zunge.
  47. Seine Zunge ist weich und hat eine rosige Färbung.
  48. Seine Ohren sind lang wie Lotusblüten.
  49. Sein Ohrlöcher sind schön abgerundet.
  50. Seine Sehnen und Bänder ragen nicht heraus.
  51. Seine Sehnen und Bänder sind tief eingebettet.
  52. Sein Haarknoten ist wie eine Krone.
  53. Seine Stirn ist in Länge und Breite wohl proportioniert.
  54. Seine Stirn ist gerundet und schön.
  55. Seine Augenbrauen sind wie ein Bogen gewölbt.
  56. Die Haare seiner Augenbrauen sind geordnet.
  57. Die Haare seiner Augenbrauen liegen flach an.
  58. Die Haare seiner Augenbrauen sind fein.
  59. Er hat große Augenbrauen.
  60. Seine Augenbrauen erreichen die äußeren Augenwinkel.
  61. Seine Haut ist auf seinem ganzen Körper rein.
  62. Sein ganzer Körper ist reich an Zeichen des Glücks.
  63. Sein Körper ist immer strahlend.
  64. Sein Körper ist immer rein wie eine Lotusblüte.
  65. Sein Körper ist außerordentlich empfindlich auf Berührung.
  66. Sein Körper hat den Duft von Sandelholz.
  67. Seine Körperbehaarung ist immer gleichmäßig in der Länge.
  68. Seine Körperbehaarung ist sehr fein.
  69. Sein Atem ist immer gut.
  70. Sein Mund hat immer ein schönes Lächeln.
  71. Sein Mund hat den Duft einer Lotusblüte.
  72. Sein Haar hat die Farbe von einem dunklen Schatten.
  73. Sein Haar duftet.
  74. Sein Haar hat den Duft eines weißen Lotus.
  75. Sein Haar ist gewellt.
  76. Sein Haar wird nicht grau.
  77. Sein Haar ist fein.
  78. Sein Haar ist entwirrt.
  79. Sein Haar hat lange Locken.
  80. Er hat einen Haarknoten, als ob er mit einer Blumengirlande gekrönt ist.

Es sollte deutlich werden, das wir es hier mit standardisierten Vorstellungen zu tun haben, um ein Wesen zu beschreiben, das laut buddhistischer Vorstellung über allem steht und mit der, einer bestimmten Zeit gemässen, idealtypischen Schablone beschrieben wird. Es überrascht deswegen auch nicht, das die 32 grossen Merkmale identisch zu denen eines Chakravartin sind, also dem entsprechen, wie ein idealtypischer Herrscher nach altindischer Vorstellung auszusehen habe. Wie jede Religion, so war und ist auch der Buddhismus anfällig für ein rein wörtliches Übernehmen von solchen Texten im Sinne einer faktischen Beschreibung mit all den Problemen, die ein solches Haften an Schriften mit sich bringt. Im Laufe der Zeit haben sich dann auch Vorstellungen im Buddhismus verankert, die rein auf gesellschaftlichen Traditionen und Ideen basierten und eine Vorrangstellung des Mannes vor der Frau gehört dazu. Wir finden das in vielen buddhistischen Schulen, in denen etwa Mönche höher stehen als Nonnen usw..

Das 35. Gelöbnis ist demnach sicherlich vor dem Hintergrund dieser Ideen zu betrachten und spricht dabei diese Vorstellung an, eine Frau kann in ihrer spezifischen geschlechtsdefinierten Rolle der Befreiung nicht teilhaftig werden. Im heutigen Shin Buddhismus finden sich denn auch diese traditionellen Werte und Ideen wieder, die eben besonders auch in der japanischen Kultur angelegt sind und selten hinterfragt werden. In nicht-japanischen shin-buddhistischen Gemeinden finden wir ein solches traditionelles Rollenmodell nicht so sehr, was daran liegt, das es im Westen (wo es lange genug natürlich ebenfalls zu den Vorstellungen gehörte, nach denen die Welt funktionierte) durch die Emanzipation der Frau in vielen Bereichen schwer zu vermitteln wäre resp. von weiblichen westlichen Shin-Buddhisten nicht mehr als eigene Definition ihrer gesellschaftlichen oder eben auch spirituellen Rolle akzeptiert wird. Auf der anderen Seite haben wir auch in westlichen Ländern, dort vor allem in den USA, immer noch eine Mehrheit an japanischen oder japanischstämmigen Shin-Buddhisten, bei denen solche alten Vorstellungen oft noch dominieren.

Shinran selbst war natürlich ebenfalls nicht frei von diesen gesellschaftlichen Normen, auch wenn man heute versucht, eben genau das in ihn hineinzulesen, aber es spielte für ihn nicht diese Rolle, die man dieser Vorstellung gemeinhin zuschrieb. Seine ganze Lehre basiert ja auf der Vorstellung, dass der Mensch an sich eine schwache Natur hat, die ihn für negative Emotionen und Motivation aus egoistischer Verblendung heraus anfällig macht – dabei spielt das Geschlecht überhaupt keine Rolle. Und genau vor dieser radikalen Einschätzung des Menschen an sich, relativiert sich für Shinran auch, was man gemeinhin über die Vor- und Nachteile der Geburt als Mann oder Frau gedacht haben mag – oder eben auch heute noch manchmal denkt.

Der Punkt des 35. Gelübdes ist demnach nicht, ob es notwendig ist, als Frau der angestammten Geschlechterrolle zu entfliehen, als Mann wiedergeboren zu werden, um dermaleinst Erleuchtung erfahren zu können, wie es in anderen buddhistischen Traditionen gelehrt wird, sondern einfach der Gedanke, dass auch Frauen durch das Reine Vertrauen in Amida Buddha den unwiederruflichen Schritt in Richtung Erleuchtung, Buddhaschaft, Befreiung machen können („who, having heard my Name, rejoice in faith, awaken aspiration for enlightenment“). Auch hier wird das allerlösende Wirken Amidas betont, sicherlich vor spezifischen traditionellen Vorstellungen, um die es aber eben nicht in erster Linie geht.

Auch hier bleibt die eigentliche Aussage, daß das Vertrauen in Amida Buddha der einzige Weg ist, um die menschliche Natur zu überschreiten und der Erlösung teilhaftig zu werden.

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Published in: on 14. Juli 2014 at 14:13  Schreibe einen Kommentar  
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Wie kommt es zur Abkürzung Namandabu?

Ich wüsste gern, woher das „Namandabu“ kommt, bzw. wie es zu dieser, eigentlich doch falschen Abkürzung gekommen ist.

Das aus „Namu-Amida-Butsu“ kurz „N’Amida-Bu“ wird, macht irgendwo noch Sinn, aber „Namandabu“?


Vielen Dank für Deine interessante Frage. Ich bin selber kein Fachmann für das Japanische und hätte hier erstmal generell eine Lautverschiebung über die Jahrhunderte hinweg vermutet. Ich kenne allerdings einen Shingon Priester in Japan, der mir dies etwas detailierter beantwortet hat und in der Folge möchte ich dies kurz zusammenfassen.

Grundsätzlich liegt es in der Tat in der speziellen Lautlehre des Japanischen begründet.

南無阿彌陀佛 NA MU A MI DA BUTSU – dies ist die korrekte, wenn man so will akademische, Aussprache, die ebenfalls die moderne ’strikte‘ Aussprache des Nembutsu darstellt. Allerdings gibt es mittelalterliche Variationen in der Aussprache, die von dieser Form des ‚Oxford‘ -Japanisch, wenn man es einmal so nennen möchte, abweichen.

Im Einzelnen gilt für diese früheren Variationen der Aussprache:

1. Nach einem Nasallaut kann im mittelalterlichen Japanisch das End ‚u‘ weggelassen werden, also wäre hier möglich: NAM‘

2. A MI DA wird, wenn es schnell gesprochen wird, oft zu AMDA, was sich dann auch zu ANDA lautlich weiter verschieben kann. Das kann schnell passieren, weil es im Japanischen eigentlich keinen wirklichen Unterschied zwischen ‚anda‘ und ‚amda‘ gibt, was sich auch an ‚Nembutsu‘ und ‚Nenbutsu‘ zeigt, beides gebräuchlich und ‚richtig‘. Ein Nasallaut vor dem japanischen ‚m‘, ‚b‘ oder ‚p‘ wird wie ‚m‘ ausgesprochen, aber als ’n‘ geschrieben. Vor ‚a‘, ‚d‘ oder anderen Konsonanten, wird ein Nasallaut immer als ’n‘ ausgesprochen, also ‚amida‘ -> amda ->anda.

3. Die mittelalterliche Aussprache von BUTSU war grundsätzlich BU (mit oder ohne einem ‚t‘ am Ende, was manchmal nasal quasi noch drangehängt wurde und vom Tang Chinesischen herrührt) und diese Aussprache ist in den Liturgien quasi bewahrt worden, wie man dies ja auch in anderen Kulturen findet, wo liturgische Gesänge oder Rezitationen ältere sprachliche Varianten und Formen tradieren.

Also ist NAM‘-AN’DA-BU‘ das Resultat solcher Lautverschiebungen des mittelalterlichen Japanisch. Modernes Japanisch folgt etwas anderen Regeln und so kann man solche Formen nicht direkt aus dem modernen Japanisch herleiten oder erklären. Solche sprachlichen Anachronismen verbleiben eben im Rahmen eines religiösen Kontextes quasi aktiv, vor allem weil sie ursprünglich oral tradiert wurden, was sie generell weniger anfällig für neue Formen der Aussprache und Regeln der Grammatik machte.

Published in: on 8. Februar 2011 at 19:35  Schreibe einen Kommentar  
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Widerspricht Shinrans Lehre nicht dem, was der Buddha gelehrt hat?

„It is impossible for us, who are possessed of blind passions, to free ourselves from birth-and-death through any practice whatever.“ (Shinran)

Zunächst einmal betont der historische Buddha Shakyamuni, soweit wie  uns die Pali-Sutten und chin. Agamas darüber Auskunft geben, das genaue  Gegenteil der obigen Aussage von Shinran.  Nun werden vermutlich die wenigsten von uns hier im klassischen,  frühbuddhistischen Sinn Arhatschaft erlangt haben, so daß sie in diesem  Sinn ‚frei von Geburt und Tod‘ sind, und insofern können wir aus  *eigener* Erfahrung Shinrans Satz weder verifizieren noch widerlegen.

 

Nun, ich denke, die meisten dürften sehr wohl bestätigen können, daß sie, nach egal wie langer Praxis, die Buddhaschaft noch nicht erlangt haben. Es ist ja gerade diese Erfahrung des Scheiterns, die Shinran und in Folge all jene, die diese Selbst-Kraft Übungen versucht haben, zu der Einsicht brachten, daß dies nicht der Weg sei. Dass der historische Buddha etwas anderes lehrte, mag sein. Aber da Jodo Shinshu eine Schule des Mahayana ist, dürfte dies das geringste Problem darstellen und kann wohl auch nicht als ‚Argument‘ dagegen gelten. Der historische Buddha hat weder etwas zu einer Drei-Leiber-Vorstellung, noch zur Existenz Amidas, eines Ewigen Buddha wie im Lotus Sutra proklamiert, oder auch diverser anderer Lehren gesagt, die im Mahayana zu den zentralen, oder zumindest wichtigen, Lehraspekten gehören.

Das Mahayana sieht sich weniger einer historischen Person verpflichtet, als dem durch diese angestoßenen dynamischen Prozess einer Befreiuung vom Leiden. Das Mahayana ist die philosophische Ausformulierung und Durchdenkung frühbuddhistischer Ideen und Lehren, es basiert nicht auf reiner Rezitation vergangener Erfahrungen, die in historische Schriften gemeißelt sind, sondern eher auf den direkten Erfahrungen jener, die sich in diesem dynamischen Prozess einer ‚Wahrheitsfindung‘ befunden haben und befinden und damit den Kontext dieses weitergehenden Prozesses mit definieren. Das stellt sich eben auch deutlich dar im Perspektivenwechsel weg vom Buddha als Person hin zum Buddha als Prinzip. (mehr …)

„Sogar der Gute wird erlöst, wie viel mehr der Böse?“ – Ähnlichkeiten zum Christentum?

Also meine Frage bezüglich Christentum und Shin-Buddhismus bezieht sich auf Takamaro Shigaraki, der da offenbar, so wie ich das auch bei Volker Zotz meine zu sehen, eine Beziehung sieht und ja von Paul Tillich beeinflusst worden sei.
Kennst du sein „Sogar der Gute wird erlöst, wie viel mehr der Böse?“ Das ist eine bestimmte christliche Einstellung, die sich bei Küng auch findet.

Ja, ich kenne das Buch und es gibt die Shinshu Perspektive korrekt wieder. Die Aussage „Sogar der Gute wird erlöst, wie viel mehr der Böse“ geht direkt auf Shinran zurück, der damit deutlich machen wollte, daß derjenige, der sich für ‚gut‘ und ‚rechtschaffen‘ hält, weniger in der Lage ist, die Kräfte, die ihn tatsächlich antreiben, zu erkennen, als derjenige, der sich über seine Natur keine großen Illusionen macht. Weiterhin verhindert eine solche Einstellung, die die eigenen Schwächen nicht sieht, daß man in der Lage und Willens ist, sich der ‚anderen Kraft‘ anzuvertrauen (was nichts anderes als einen genuin buddhistisch verstandenen Perspektivenwechsel meint, weg vom Ego hin zum ‚Nicht-Ich‘), weil diese permanente Selbstbespiegelung bezogen auf diese vermeintliche Rechtschaffenheit dem im Wege steht.

In Shinrans Worten:

„Though it is so, people commonly say, „Even an evil person attains birth, so it goes without saying that a good person will.“ This statement may seem well-founded at first, but it runs counter to the intent of the Primal Vow, which is Other Power. This is because people who rely on doing good through their self-power fail to entrust themselves wholeheartedly to Other Power and therefore are not in accord with Amida’s Primal Vow, but when they overturn the mind of self-power and entrust themselves to Other Power, they will attain birth in the true and real fulfilled land.

It is impossible for us, who are possessed of blind passions, to free ourselves from birth-and-death through any practice whatever. Sorrowing at this, Amida made the Vow, the essential intent of which is the evil person’s attainment of Buddhahood. Hence, evil persons who entrust themselves to Other Power are precisely the ones who possess the true cause of birth.

Accordingly he said, „Even the good person is born in the Pure Land, so without question is the person who is evil.“

Ob das eine Einstellung ist, die sich auch im Christentum findet, kann ich so pauschal nicht beurteilen, denke aber, Shin Buddhismus und Christentum sind zwei recht unterschiedliche Lehren. Shinshu steht fest auf buddhistischem Boden, was einen Vergleich mit dem Christentum von vornherein hinken lässt. Das Vertrauen, welches man im Christentum findet, ist nicht eine Lehre absoluter Ander-Kraft, wie sie von Shinran gelehrt wird.

Diesbezüglich hier einige Kommentare von Rev. Philipp Karl Eidmann:

Is Shin Buddhism the same as Christianity?

Welche Rolle spielt eine ‚quasi-theistische‘ Amida Vorstellung in der Shinshu?

Ich habe gar nicht den Eindruck, dass Ihr Euch mit einem „quasi-theistischen“ Glauben an Amida Buddha herumschlagt, sondern vielmehr, dass eure Auffassung von shunyata der dem Zen ganz nahe steht. Welche Abstufungen im Glauben an Amida macht Ihr denn innerhalb Eurer Schule aus?

Nun, das ist so eine Sache. Das Problem ist, das wir im Bereich der Volksreligion sehr wohl deutliche theistische Tenzenden im Shin  Buddhismus finden, Leute also zum Tempel gehen und dort zu Amida beten, ganz genauso wie wir das in theistischen Religionen auch finden. Wir finden eine solche Tendenz auch oft in der Form der Vermittlung shin-buddhistischer Spiritualität etwa in der BCA, (Buddhist Church of America) wobei das mitbedingt ist durch die Tatsache, daß die BCA immer noch eine relativ geschlossene native Gruppe darstellt, die sich mehrheitlich aus den japanischen Einwanderern und den in den USA geborenen Nachkommen dieser Generation rekrutiert. Dadurch erhielt die BCA eben auch eine deutliche Rückbindung an die eher volksbuddhistischen Vorstellungen wie man sie in Japan findet. (mehr …)

Wie würdest Du Deine ‚Gottheit‘ beschreiben?

Es würde mich interessieren, wie jene hier in diesem Forum (-> bezieht sich auf das Forum, wo diese Frage an alle gestellt wurde), die an eine Gottheit glauben, diese beschreiben. Also, was macht sie verehrungswürdig? Wie manifestiert sie sich? Was sind ihre Kräfte und sind sie in irgendeiner Weise eingeschränkt?

Nun, ich weiß nicht, ob die buddhistische Sicht für Dich interessant ist (-> die Frage wurde in einem Forum gestellt, welches vor allem von Theisten (Christen, Bahai, Mormonen) besucht wird), da Du explizit nach einer Gottheit fragst, aber ich werde es versuchen entsprechend zu beantworten. Ich werde es möglichst kurz machen, aber vorher ist es wichtig, deutlich zu machen, was ich meine, wenn ich eine Frage nach ‚meiner Gottheit‘ beantworte.

In der Tradition der Jodo Shinshu haben wir einen bestimmten Buddha als Fokus unserer Spiritualität und dies ist Amida Buddha. (mehr …)

Was war Shinrans Ansicht bezüglich eines übernatürlichen Wesens und dessen Eingreifen in das individuelle Dasein der Wesen?

Shinran war Buddhist und das bedeutete für ihn erst einmal, was es grundsätzlich für alle Buddhisten bedeutet – Götter, ‚übernatürliche Wesen‘, Geister etc. werden nicht geleugnet, sie spielen aber für die Erlangung der Befreiung aus dem Leiden keine Rolle, sind also nicht ‚heilsrelevant‘. Allerdings gab es in Japan schon zu Shinrans Zeiten eine starke Verflechtung des Buddhismus mit den Kami, also den Gottheiten des Shinto, sowie die  offizielle Funktion der verschiedenen Schulen und Tempel im Sinne einer ‚magischen‘ Schutzwirkung für den Staat und die Bürger. Dort wurden Riten ausgeführt, von denen sich der Kaiser und das Herrscherhaus, aber auch das ganze Land, Frieden und Stärke erhoffte.

Das buddhistische Institutionen sich in diese magische Denkweise und Struktur einfügten, mag man nun entweder als Adaption an die bestehenden politischen und kulturellen Verhältnisse deuten, oder aber im Sinne einer generellen Korrumpierung des buddhistischen Klerus und des Dharma. Ich persönlich denke, es wird wohl eine Mischung aus beidem sein, die zu dieser – in allen Religionen zu findenden – Entwicklung geführt hat. Letztlich war es eben auch diese Verflechtung der Tempel in die politischen Verhältnisse und die starke Ausrichtung auf diese magischen Praktiken und die staatlichen Funktionen, die es für jene, die ernsthaft nach persönlicher Befreiung suchten, sehr schwer machte, dieser Motivation auch folgen zu können – und was eben zur Gründung der ’neuen Schulen‘ in der Kamakura Zeit Japans führte, wie Nichiren- Buddhismus, Zen und Jodo Shu/Jodo Shinshu.

(mehr …)

Wie kann Amida wirken, wenn er nur ein Mythos, eine Fiktion ist?

Du beziehst Dich auf das Essay von Dr. Nobuo Haneda, in dem er Amida ein ‚personal Symbol‘ nennt. Nun Deine Verwirrung ist verständlich, aber letztlich liegt es nur daran, daß Du denkst, ein ‚Mythos‘ sei das gleiche wie eine Lüge. Das Problem ist einfach, daß wir nicht mehr gewohnt sind,  den tatsächlichen Gehalt und die eigentliche Bedeutung von Symbolen wahrzunehmen. Für uns sind Symbole etwas ohne ‚wirkliche‘ Essenz, ohne tatsächlichen Inhalt, ohne Realität, die dahinter steht. Es ist einfach ein Zeichen, eine Botschaft, die in einer bestimmten Gestalt daherkommt. Ich denke, es liegt daran, daß wir eben nicht mehr in den ‚mythischen Zeiten‘ leben, wo die Leute ein gänzlich anderes Verständnis dieser Dinge hatten. Wir versuchen alles rational zu erfassen und zu bewerten und können diese Bilder nur schwer mit dem in Übereinstimmung bringen, was wir als menschliche Wesen überhaupt in der Lage sind zu begreifen. Amida ist nicht ‚einfach nur ein Symbol‘, ebenso wie der Mythos vom Reinen Land nicht einfach ’nur eine nette Geschichte‘ ist. Ich würde vorschlagen, Du befasst Dich einmal ausgiebig mit dem, was der bekannte amerikanische Mythologe Joseph Campbell über Mythen und Symbole zu sagen hatte. Etwa folgendes:

Myth is the secret opening through which the inexhaustible energies of the cosmos pour into human manifestation.

… a symbol, a mythic symbol, does not refer to something which is known or knowable in that rational way. It refers to a spiritual power that is operative in life and is known only through its effects. (mehr …)

Kann man als Shin Buddhist eine feste Zeit für das Nembutsu einrichten?

Ich habe kürzlich etwas über Honen Shonin gelesen, wo es hieß:

„Auch wenn wir nicht die Zeiten direkt festlegen, um das Nembutsu als unsere tägliche Aufgabe zu rezitieren, ist es nicht von Vorteil, es so oft wie möglich zu tun?“ – „Es ist besser, die Zeiten festzulegen, damit man nicht der Bequemlichkeit nachgibt.“

Nun weiß ich, daß Shinran absolute Ander-Kraft gelehrt hat, aber wäre es denn in Ordnung, wenn ich bestimmte Zeiten festlege, um das Nembutsu zu chanten?

Sicher wäre das in Ordnung. Die meisten Shin Buddhisten machen es so, daß sie einer bestimmten Routine im ‚Shin Service‘ folgen, entweder morgens oder abends, oft sogar sowohl als auch. Dabei orientiert sich das Prozedere an den Zeiten, die in den Tempeln eingehalten werden und man rezitiert ebenfalls die Briefe Rennyos, die Hymnen Shinrans usw..

Anfangs habe ich das ebenfalls so gemacht, bis ich gemerkt habe, daß wenn ich mal nicht die Zeit hatte, es durchzuführen, oder einfach nicht ‚in Stimmung‘ war, ich dazu tendierte  zu denken ‚Ich sollte morgen damit wieder anfangen…‘ oder irgendwas in dieser Richtung. Und das wiederum erschien mir irgendwann nicht ‚richtig‘, denn ein Teil von mir brachte diesen festen Shin Service und die dadurch aufkommende Routine in der Praxis mit meinem Vertrauen auf das Urgelübde zusammen, ja betrachtete es wohl als notwendigen Zusatz. Es ist eine recht dünne Trennlinie zwischen einfach bequem sein und eine solche reguläre Praxis bewußt nicht zu machen, weil man realisiert, daß das Ego sie wieder als sine qua non ansehen könnte und als Werkzeug benutzt, so daß man seine spirituelle Praxis davon freihalten möchte. (mehr …)

Published in: on 29. März 2010 at 13:06  Schreibe einen Kommentar  
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Anjin und Shinjin – glauben an, oder vertrauen auf?

Der oft von Rennyo verwendete Begriff  ‚Anjin‘ bedeutet soviel wie ‚friedlicher Geist‘, beschreibt also einen Geisteszustand, der erfüllt ist von Frieden.  ‚Shinjin‘ bedeutet ‚anvertrauter Geist‘ und meint den Zustand vollkommenen Vertrauens auf das Gelübde Amida Buddhas. Rennyo verwendete sehr oft den Begriff Anjin und setzte ihn mit dem von Shinran bevorzugten Shinjin inhaltlich gleich. Shinran wiederum benutzte nur selten Anjin, er zitiert diesen Begriff in seinen Schriften hier und da,  da er als solches bereits vor Shinran benutzt wurde, etwa von Shandao Dashi, aber erst Rennyo verwendet beide Begriffe gleich oft.

Diese Tatsache und daß Rennyo beide vom Inhalt her gleichsetzt, hat letztlich dazu geführt, daß es zu einer gewissen Unschärfe und Bedeutungsverschiebung gekommen ist, wenn es darum geht, wie man heute in der Jodo Shinshu Shinjin versteht. Es gibt denn auch eine – bis heute andauernde – Diskussion darüber, ob beide Begriffe das gleiche bedeuten oder nicht und die offizielle Interpretation der Lehren Shinrans, wie wir sie im Hongwanji finden, basiert grundsätzlich auf der Annahme, daß Rennyo Shinran immer korrekt wiedergibt.

Auf der anderen Seite gibt es aber viele, die diesem Verständnis ablehnend gegenüberstehen und zwischen beiden Begriffen deutliche Unterschiede wahrnehmen. Shinran hat nie den Versuch gemacht, die Erfahrung des Shinjin in irgendeiner Weise zu begrenzen, oder von Zeichen abhängig zu machen, die belegen könnten, wer echtes Shinjin hat und wer nicht. Er hat keinerlei Dogmen damit verbunden und immer deutlich gemacht, daß diese Schlüsselerfahrung im Leben des Einzelnen nicht nur nicht von diesem hervorgerufen werden kann, sondern eben auch eine rein persönliche Erfahrung ist und bleibt. Sie steht als solche jenseits jeglicher Bewertung und Kritik durch andere. (mehr …)

Lehrt Shinran nicht ein amoralisches Leben, wenn er den Wert der Ethik für die Befreiung vom Leiden verneint?

Es ist ein häufiges Missverständnis, aber Shinran hat nicht einem amoralischen Leben das Wort geredet. Es gibt einen Ausspruch von ihm, der allerdings zu seiner Zeit das hervorgebracht hat, was man ‚radikalen Amidismus‘ nennt. Shinran sagte, um das eigentliche ‚Ziel‘ von Amidas Wirken deutlich werden zu lassen: Entgegen der landläufigen Meinung, daß wenn ein Böser erlöst wird, der Gute wohl um so eher und sicherer der Erlösung teilhaftig wird, sagte er:

Sogar der Gute wird erlöst, um wieviel mehr der Böse!

Das bedeutet nur, daß gerade der ‚Böse‘ das Ziel des ‚Allerbarmens Buddhas‘ ist, weil dieser eher seine eigenen Grenzen und Beschränkungen wahrnimmt, der ‚Gute‘ sich meistens auf dieses ‚Gutsein‘ noch einiges einbildet und damit seine Fesseln wieder enger um sich schlingt. Dieser Ausspruch führte aber dazu, daß es Menschen gab, die dies wie einige Gnostiker interpretierten a la ‚Sündigt viel, auf das euch viel vergeben werde!“ Dagegen hatte sich Shinran scharf ausgesprochen, weil auch dies aus reiner Berechnung (Hakarai) geschehen würde und dies sei ebenso eine Stärkung des Ego, wie der Versuch sich mittels ‚Eigen-Kraft‘ selbst zu erlösen. Für Shinran führten nicht die Silas (die er, entgegen anderen Traditionen, seinen Schülern nicht ‚gab‘ und bis heute ’nehmen‘ Shin Buddhisten in der Regel die Silas auch nicht, im Sinne eines Gelübdes und Selbstverpflichtung) zur Befreiung, sondern für ihn war es so, daß sich ethisches Verhalten automatisch ergeben würde bei jemandem, der Amidas befreiendes Wirken erfahren hat. Dies sei dann ein ethisches Verhalten, welches gänzlich ohne ‚Hintergedanken‘ auskäme und deswegen frei von Berechnung und ‚um-zu‘ Motivation sei.

„Ander-Kraft“ – worin besteht das „Anders“-sein und was ist unter „Kraft“ in diesem Zusammenhang zu verstehen?

Das ‚Andere‘ bezieht sich nicht so sehr auf das ‚Sein‘ (nicht etwa im Sinne christlicher Theologie, die Gott als ‚den ganz anderen‘ definiert, um seine Transzendenz zu betonen), als vielmehr auf die ‚Richtung‘. Wir erfahren den Dharma generell als etwas, das wir quasi ‚von außen‘ erleben, wir hören Belehrungen, lesen Sutren, hören Musik, die die Rituale begleitet, nehmen uns wahr, wie wir den Dharma in unser Leben hereinlassen, was es dann transformiert. Tariki ist oft einfach auch ‚Kraft durch andere‘, die einem zuteil wird. Es ist eben nicht so, daß man beschließt, ’so, jetzt befreie ich mich mal‘ und man legt mit der Praxis los, die einen dann befreit, weil man so fleißig war. Obwohl genau das die Einstellung zu sein scheint, die viele haben, gerade im Westen wird das oft so im Sinne einer ‚Managerreligiosität‘ verstanden. Man erarbeitet sich sein Häuschen, werkelt an seiner Karriere, kraxelt die Leiter des Erfolgs rauf, etc.. und dann überträgt man diese zutiefst ego-zentrische ‚Macher‘-Sicht einfach auf den Buddhismus und erarbeitet und erkämpft sich die Befreiung vom Ego. (mehr …)

Was ist die Essenz, der Kern der Lehre von Shinran?

Nun, das ist – wie so oft – nicht ganz einfach, es in wenigen Sätzen zu erklären. Ich will es dennoch versuchen, auf den Punkt zu bringen.

Shinran Shonin (‚Shonin‘ ist ein Ehrentitel, sein Name war Shinran) lebte von 1173 – 1263 und gehört damit zu den ‚Reformern‘ in der Kamakura Zeit in Japan (er war Zeitgenosse von Dogen und Nichiren). Er ging als junger Mann in die Klosteruniversität des Berges Hiei, die zur Tendai Richtung des Buddhismus zählte. Dort übte er sich 20 Jahre lang in den diversen Disziplinen, was aber relativ fruchtlos für ihn blieb, d.h. es stellte sich eine ziemliche Ernüchterung bei ihm ein, daß man die Erleuchtung auch nach so langer intensiver Praxis offenbar nicht erreicht.

In der Zeit wirkte Honen Shonin, der die Jodo Shu (Schule des Reinen Landes) gegründet hatte, eine Schule, die die bereits sehr lange Tradition des Reinen Landes des Buddhas Amida (eine aus den früheren Buddhas Amithaba und Amitayus ‚gebildete‘ Vorstellung) in den Mittelpunkt rückte und damit zu einer eigenen Richtung innerhalb des Buddhismus machte. Vorher waren diese Ideen um Amida Teil anderer Richtungen und die Praxis der Rezitation des ‚Nembutsu‘ – die ständige Vergegenwärtigung der ‚rettenden Kraft‘ Amidas durch seinen Namen – Namu Amida Butsu (Ich nehme meine Zuflucht zu Amida Buddha) – wurde als eine Praxis unter vielen betrachtet. (mehr …)

Akunin Shoki

jap.: akunin, ’schlechte oder böse Person‘ und jap.: shoki, ‚wahres Objekt‘

Die Lehre, das jene Menschen das eigentliche Erlösungsobjekt Amidas sind, die dem Bösen verhaftet sind.

„Sogar der Gute wird erlöst, um wie viel mehr der Böse“ (Shinran)

Published in: on 11. März 2009 at 15:18  Schreibe einen Kommentar  
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Amida Buddha

Amida ist der Buddha des Ewigen Lebens und Unendlichen Lichtes, der über das ‚Reine Land im Westen‘ herrscht. Er gehört zu den transzendenten Buddhas der Mahayana Kosmologie und gilt im Reine Land Buddhismus (manchmal auch Amidismus genannt) als Hauptverehrungs- und Bezugspunkt, weil er in seinen 48 Gelübden geschworen hat, alle Wesen zu erretten und in sein geschaffenes Buddhaland zu holen, wo sie ohne Schwierigkeiten die Erleuchtung erlangen können.

Im Shin Buddhismus entwickelte sich die Vorstellung von Amida als Manifestation der ultimativen Wirklichkeit an sich, die sich in ihrer Wesensart als absolutes Mitgefühl äußert. Shinran verstand Amida Buddha nicht mehr als einen Buddha unter vielen, sondern als die eigentliche Essenz der Wirklichkeit, die sich darüberhinaus als Buddha-Natur in allen Wesen widerspiegelt.

Diese Wirklichkeit (skrt.: Dharmakaya, oder jap.: hosshin) ist an sich ohne Form und Grenzen und in ihrem dynamischen Wirken ständig auf die Befreiung der Wesen hin ausgerichtet. In der metaphysischen Lehre des Shin Buddhismus ist Amida der hoben hosshin, d.h. eine Verkörperung  der ultimativen Seinsebene, manifestiert als Form, aus Mitgefühl, um die Wesen zur Einsicht in die Wirklichkeit zu führen. (mehr …)

Published in: on 11. März 2009 at 13:05  Schreibe einen Kommentar  
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