Wie würdest Du Deine ‚Gottheit‘ beschreiben?

Es würde mich interessieren, wie jene hier in diesem Forum (-> bezieht sich auf das Forum, wo diese Frage an alle gestellt wurde), die an eine Gottheit glauben, diese beschreiben. Also, was macht sie verehrungswürdig? Wie manifestiert sie sich? Was sind ihre Kräfte und sind sie in irgendeiner Weise eingeschränkt?

Nun, ich weiß nicht, ob die buddhistische Sicht für Dich interessant ist (-> die Frage wurde in einem Forum gestellt, welches vor allem von Theisten (Christen, Bahai, Mormonen) besucht wird), da Du explizit nach einer Gottheit fragst, aber ich werde es versuchen entsprechend zu beantworten. Ich werde es möglichst kurz machen, aber vorher ist es wichtig, deutlich zu machen, was ich meine, wenn ich eine Frage nach ‚meiner Gottheit‘ beantworte.

In der Tradition der Jodo Shinshu haben wir einen bestimmten Buddha als Fokus unserer Spiritualität und dies ist Amida Buddha.

Amida ist ein japanischer Begriff, der tatsächlich zwei unterschiedliche Buddhas des Mahayana ‚Pantheons‘ beschreibt, die im Sanskrit Amithaba and Amitayus genannt werden. Der erstere bedeutet übersetzt ‚Unendliches Licht‘, der andere ‚Unendliches Leben.‘

Um nun zu begreifen, was wir darunter verstehen und um die Frage überhaupt im buddhistischen Kontext beantworten zu können, komme ich nicht umhin, etwas auszuholen, um gewisse Punkte vorweg zu erläutern.

Dieser Buddha Amida wird betrachtet als ‚Dharmakaya manifestiert als Mitgefühl‘ und ist letztlich eine Manifestation des ‚Dharmakaya als Soheit.‘ Dharmakaya wiederum bedeutet ‚Körper der Wahrheit‘ und stellt einen der drei ‚Körper‘ (oder ‚Dimensionen) eines Buddha dar. Diese Vorstellung basiert auf der ‚Trikaya‘ (‚Drei-Leiber‘) Doktrin des Mahayana Buddhismus, die besagt, daß ein Buddha drei ‚kayas‘ oder eben ‚Körper‘ hat:

  • den Nirmanakaya oder ‚erschaffenen Körper‘, der sich in Zeit und Raum manifestiert, also der menschliche Körper, den man wahrnehmen kann, auch ‚Ausstrahlungskörper‘ genannt;
  • den Sambhogakaya oder ‚Körper der Glückseligkeit‘, den man sich als eine Art Lichtkörper vorstellt, den man in tiefer Meditation sehen kann und eben
  • den Dharmakaya, den ‚Wahrheitskörper‘, der die ursprüngliche erleuchtete Natur des Geistes selbst bezeichnet und identisch ist mit der ultimativen Wirklichkeit jenseits aller Illusionen.

Der ‚Dharmakaya als Soheit‘ wiederum stellt dabei eben jene absolute Realität dar, die in der Erleuchtung verwirklicht wird. Eine Wirklichkeit, die ohne Form ist und jenseits jeglicher Konzeptualisierung liegt, was sie gleichsetzt mit ‚Shunyata‘ (der Leere), ein Mahayana Begriff, der die Phänomene als ohne immanente Existenz beschreibt und eben darin ihre eigentliche ‚Natur‘ erkennt. Alle Dinge ohne Ausnahme haben keine Existenz an und durch sich selbst, sondern bestehen ausschließlich in Relation zu und abhängig von anderen Dingen. In diesem Sinne bricht der Mahayana Buddhismus die übliche Vorstellung vom Sein und Nicht-Sein als Realität und Nicht-Realität auf, da es kein individuelles Element gibt, welches erst ’nicht ist‘, dann ‚wird‘ und dann ’nicht mehr ist‘. Alle Dinge, die entstehen kommen nicht aus dem Nichts ins Dasein, sondern entstehen aufgrund der Bedingungen, die diese Existenz schafft. Fallen diese Bedingungen weg, hört der Prozess des Seins auf, der diese Bedingungen zur Grundlage hatte. Da dies aber für jedes einzelne Element dieser Beziehungskette gilt, kann man nicht einige Aspekte als Grundlage an sich ausmachen, die als Ursache zu Wirkungen führen. Man hat einen permanenten Prozess von sich abwechselnder Ursache und Wirkung vor sich, der im ständigen Kreislauf des Anstossens und sich Auflösens von Erscheinungen die Illusion der Welt erschafft, die wir wahrnehmen.

Dies trifft auch auf alle fühlenden Wesen zu, die ebenfalls keine immanente Natur an sich haben und was der Grund ist, daß Buddhisten sagen ‚es gibt keine Seele‘. Unter ‚Seele‘ wird generell ein unwandelbarer Kern eines lebenden Wesens (oder oft genug auch nur des Menschen) verstanden, der dessen eigentliche Natur darstellt und nicht betroffen ist von den körperlichen Erscheinungen. Reinkarnation im hinduistischen Verständniss etwa geht davon aus, daß der Körper nur ein Kleid ist, welches die Seele, selbst unwandelbar und unzerstörbar, an- und ablegt während sie sich durch den Kreislauf der Geburt und des Todes bewegt. In buddhistischem Verständnis ist nichts permanent, alle Dinge wandeln sich unaufhörlich, der Wandel an sich ist die einzige Konstante im Dasein. Diese ‚Leere‘ als eigentliche Natur wird auch Buddha-dhatu genannt (Sanskrit: ‚Buddha-Natur‘ oder ‚Buddha-Prinzip‘) und wird als eigentliches Potential dafür betrachtet, das es möglich ist, ein Buddha (ein Erwachter) zu werden, als Möglichkeit zur Wahrheit zu erwachen.

Die ‚Wahrheit‘ um die es hierbei geht, ist eine besondere Sichtweise, nämlich die Dinge nicht in der Form zu sehen, wie sie erscheinen, sondern sie in ihrer ‚Soheit‘ wahrzunehmen. Diese Essenz, dieses Potential des Menschen zu dieser besonderen befreienden Perspektive zu finden, ist üblicherweise jedoch völlig verdunkelt von negativen Emotionen, karmischen Einflüssen und durch all die Illusionen, die dadurch entstehen, daß wir der Idee anhängen, – ja uns geradezu durch diese Idee definieren -, daß wir ein ‚Ego‘ besitzen, welches wir eben als eine Form von immanenter Natur betrachten. Dieses Ego grenzt uns von anderen Egos ab und definiert unsere Persönlichkeit und die Beziehungen zwischen uns und anderen Persönlichkeiten und Wesen. Die sogenannten 3 Wurzelgifte – Gier, Hass und Verblendung – erschaffen mehr und mehr negative Effekte in unserem Dasein und um uns vor diesen Auswirkungen zu schützen, versuchen wir die Vorstellung von unserem ‚Ich‘ immer weiter zu stärken und festigen damit die Vorstellung, daß wir als Individuum gegen andere Individuen stehen.

Die so durch Abgrenzung definierte Selbstwahrnehmung fördert genrell eine ‚egoistische‘ Sichtweise, aus der leicht erneut die Wurzelgifte entstehen, was den Kreislauf des Samsara (Sanskrit: ‚beständiges Wandern‘) am Laufen hält und uns in einer Welt gefangen hält, die in ihrer besonderen Weise selbstgeschaffen ist. Ein Buddha ist frei, weil er eben nicht mehr diese selbstgeschaffenen Illusionen sieht, die scheinbaren Relationen der Dinge zu- und untereinander, welche von Zu- und Abneigung regiert werden, sondern erwacht ist zur Wahrnehmung der Dinge in ihrer ‚Soheit‘, in ihrer eigentlichen Natur als ‚leer‘. Daraus entstehen keine Anhaftungen mehr und der Zyklus des Samsara ist gebrochen, Nirvana (Sanskrit: ‚Verwehen‘), die Folge – das Aufhören aller mit der durch ein Ego genährten Vorstellung vom Dasein, welche zu Ich-Sucht, Gier, Anhaften usw führt.

Wegen dieser Egoverhaftetheit sieht der Buddhismus uns als gefangen in einem endlosen Kreislauf, den zu brechen schwierig ist. Üblicherweise wird der Dharma (Sanskrit: ‚Gesetz‘, aber auch spezifisch verstanden als ‚Lehre des Buddha‘) als ein Weg der Anstrengung, des sich steten Bemühens, verstanden in dem Sinne, daß es Praktiken und Übungen gibt, die es einem erlauben, sich aus diesem Kreislauf zu befreien, auch wenn dies mehrerer Wiedergeburten bedarf. Im Shin Buddhismus herrscht hingegen die Meinung, daß wir – solange wir biologische Wesen sind – von den ‚Schlangen und dem Gift in unserem Herzen‘ beherrscht werden, welches seinen Ursprung eben in unserer Natur als egoistische Wesen findet. Sich als ego-getriebenes Wesen zu erkennen, ohne diese Natur beschönigen zu wollen, wie es gerne geschieht, zu erkennen, wie ständig Gedanken und durch diese motivierte Taten zu einem permanentem Erschaffen von negativen Effekten in unseren Leben führen (Karma), ist im Shin Buddhismus der erste Schritt auf dem Weg zur befreienden Einsicht, daß ‚Selbst-Kraft‘ im spirituellen Sinne sinnlos ist.

Die Vorstellung, man könne quasi das Ego nutzen, welches die Quelle für all das Leiden ist, welches wir erfahren und verursachen, um die zugrundeliegende Idee eines ‚Ich‘ als bestimmendes und begrenzendes Konzept der Weltsicht aufzuheben, wird als unmöglich erachtet. Ohne die oft anzutreffende Relativierung unserer Selbstwahrnehmung wird deutlich, daß ‚unser‘ Ego alles in seinem Sinne nutzen kann und wird, um sich in seiner Sicht der Dinge, zu bestätigen, um sich weiter als Mittelpunkt der eigenen Welt zu stärken und diesen quasi als archimedischen Punkt zu definieren, der alles und alle anderen mehr oder weniger nur in ihrem Bezug zu diesem Punkt erkennt, bewertet und akzeptiert oder ablehnt. Selbst kurze, flüchtige  Gedanken, wie ‚Ich bin heute wesentlich besser in meiner Konzentration als jener neben mir…‘, können tatsächlich jede Erlangung von Ichlosigkeit, die man mit meditativen Übungen meint erreicht zu haben, in Sekunden zerstören.

Deshalb versteht sich Shin Buddhismus als konsequenter Weg absoluter ‚Ander-Kraft‘ und wir benutzen keinerlei Praktiken oder Übungen in unserem spirituellen Leben, die auf dem Selbst basieren. Das Ego meditiert immer mit sozusagen und kann aus dieser Tätigkeit ebenso Stärke gewinnen, wie aus jeder anderen, was die Sache, um die es uns geht, nur noch stärker zum Problem werden lässt. Der einzige Weg, das Ego zu überwinden, ist nicht, es gewaltsam niederzuringen, sondern diese Idee einfach… loszulassen.

Gemäß unserer Sichtweise ist die ultimative Realität (Dharmakaya) und unser inneres Wesen (Buddha-Natur) identisch (Shunyata) und bedingt durch die Natur der Leerheit, die allem zugrunde liegt, sind auch Nirvana (der Zustand der Wahrheit, der die Identifizierung des Geistes mit den empirischen Phänomenen beendet) und Samsara (die Welt, wie wir sie wahrnehmen, als ständiger Kreislauf von Geburt – Tod – Wiedergeburt) identisch – eben weil letzteres ausschließlich als Mißverständnis, wie die Dinge wirklich sind, existiert. Nirvana und Samsara sind also keine dualistischen Gegensätze im Sinne einer Welt hier und einer dort, die Befreiung kein ‚Jenseits‘, sondern ein radikaler Perspektivenwechsel.

Amida ist nun der Dharmakaya, der sich als ‚Form‘ manifestiert, so daß wir zu dieser Wirklichkeit in Beziehung treten können und die wir in ihrer Manifestation als absolutes  Mitgefühl wahrnehmen. Das sich völlige Anvertrauen an diese Wirklichkeit des absoluten Mitgefühls ist das Gegengift zu den bereits erwähnten drei Wurzelgiften und hilft uns letztendlich die Dinge so zu sehen, wie sie sind, einfach weil wir dann den Schutzmechanismus der Verdrängung unserer eigentlichen Natur nicht mehr benötigen. Durch das Anvertrauen an Amida Buddha, oder buddhistisch gesprochen, durch die Zufluchtnahme zu dem, was man als das reine Buddhawesen beschreiben könnte, das sich in jedem Erwachten manifestiert, löst man sich auf natürlichem Wege, ohne Gewalt und Zwang immer mehr von den egoistischen Kräften, die uns grundsätzlich beherrschen und antreiben und auch bestehen bleiben solange wir leben. Dieser Effekt der langsamen natürlichen ‚Verwandlung‘ unseres Wesens wird im Shin Buddhismus gerne beschrieben, als das Licht Amidas, welches in unsere verhärteten Herzen scheint und dort die Geröllsteine in Gold verwandelt.

Die Erleuchtung, das Wahrnehmen der Dinge in ihrer Soheit, auch beschrieben als die ‚Geburt im Reinen Land‘, geschieht im Prozess des Sterbens,  des Loslassens, wenn die karmischen Kräfte sich für dieses Leben erschöpft haben und der Geist in der Lage ist, die Wirklichkeit als solche auch wahrzunehmen. Das was in anderen Reine Land Schulen oft verstanden wird als tatsächlicher Ort, als Dimension, wo man bessere Bedingungen findet, zu meditieren etc.., ist im Shin Buddhismus eine poetische Umschreibung der Erleuchtung, der Erreichung des Nirvana und in letzter Konsequenz fallen Amida Buddha und sein Reines Land zusammen in der Wirklichkeit, deren befreiende Erkenntnis der Kern des Buddhismus in all seinen Schulen ist.

Obwohl Amida als einzige Quelle und Ursache ‚unserer‘ Erleuchtung betrachtet wird, es nichts gibt, was wir tun könnten oder sollten, um sie hervorzurufen, da alles, was wir tun immer durch unseren Egoismus gefärbt ist, ist ‚er‘ kein Wesen im Sinne einer Gottheit. Er ist Form, die sich aus der Formlosigkeit heraus in unserer Wahrnehmung manifestiert und kann verstanden werden als ‚personhaftes Symbol‘, um das zu begreifen, was eigentlich nicht verstanden werden kann. Amida ist ebenfalls identisch mit unserer ‚eigenen‘ Buddha-Natur und stellt damit ein Bindeglied, eine ‚Brücke‘ dar, zwischen der ultimativen Realität als ontologischem Konzept, was etwas beschreiben soll, was nicht direkt erfasst werden kann und der ultimativen Wirklichkeit als unser eigenes zugrundeliegendes Wesen, welches als Mitgefühl realisiert wird.

Zu Deinen spezifischeren Fragen:

 

Also, was macht sie verehrungswürdig?

 

Verehrung ist in diesem Kontext sicher nicht wirklich passend aus meiner Sicht, denn wir verehren Amida nicht, oder beten ihn an oder zu ihm.

Amida Buddha ist der Fokus für unser Anvertrauen, unsere Zufluchtnahme zur allgegenwärtigen Präsenz dessen was ‚Buddha‘ im Sinne des Mahayana bedeutet und weit mehr ist, als nur ein Begriff für die historische Stiftergestalt des Buddhismus. Es beschreibt das Potential zur Befreiuung vom Leiden, eine Ausrichtung auf das Nicht-Bedingte und Nicht-Ich, weist auf eine Realität jenseits aller Begrifflichkeiten. Das was wir als das ‚Urgelübde Amidas‘ aus den Sutren unserer Tradition kennen, beschreibt in unserem Verständnis eben diese totale Zufluchtnahme und damit korrigierte Perspektive, die sich neu definiert indem sie sich nicht auf das Ego als archimedischem Punkt bezieht, sondern auf das ausrichtet, was diese selbstgeschaffene Illusion übersteigt – und damit durchschaubar macht. Gebete befinden sich in einem Rahmen des dualistischen Denkens, der zwischen ‚mir‘ und einem ‚anderen‘ ebenso unterscheidet, wie wir dies in unserem Alltag kennen und wo eben dieser Dualismus die Grundlage vieler leidschaffender Probleme bildet.

Es geht im Shin Buddhismus nicht darum, von einer Gottheit etwas zu erbitten (was im Zweifelsfall bedeuten würde, karmische Wirkungen auszuhebeln, was gemäß dem Dharma nicht möglich ist), sondern sein Karma anzunehmen und das innere Gefühl des geschenkten Vetrauens (Shinjin) zu kultivieren, daß alle Dinge sich innerhalb einer größeren Wirklichkeit befinden, als die, die unsere eingeschränkte Wahrnehmung uns zeigt und damit Teil einer ultimativen Realität sind, die verstanden wird als alles durchdringendes und unendliches reines Bewußtsein – – personifiziert als Amida.

Der Hauptgegenstand der religiösen ‚Verehrung‘, wenn wir dies einmal, gemäß dem Kontext Deiner Fragestellung, mit diesem Wort beschreiben wollen, egal ob zu Hause oder im Tempel, ist entweder ein Wandbild, eine Schrift-/Bildrolle mit dem Nembutsu (‚Namu Amida Butsu‘ – Ich nehme meine Zuflucht zu Amida Buddha), oder auch eine Statue Amida Buddhas, wird natürlich mit dem nötigen Respekt behandelt, denn es symbolisiert die ultimative Wahrheit für uns. Aber es ist in vielen Fällen traditionell üblich, daß die Kalligraphie des Nembutsu auf der Rückseite der Rolle die Worte ‚Dharma-Körper als zweckdienliches (im Sinne von ‚pädagogisch‘) Mittel‘ verzeichnet hat. Manchmal finden sich diese Worte auch an einer Amida Statue und es dient einfach als Erinnerung, daß dies nur ‚der Finger ist, der zum Mond zeigt‘, nicht der Mond selbst. In diesem Sinne, betrachten wir eine Amida Darstellung nicht als etwas, was mystische Kräfte oder auch nur einen Wert an sich hätte, sondern ausschließlich als Punkt der Konzentration und Sammlung, als Hilfsmittel, um Mitgefühl und Vertrauen zu kultivieren.

 

Wie manifestiert sie sich?

Als grenzenloses, absolutes und universales Mitgefühl. Als eine ‚Kraft‘ in unserem Leben, die uns – trotz unserer Fehler – in etwas besseres transformiert.

Laut Shinran stützen wir uns auf das ‚Urgelübde Amidas‘ (welches in der symbolischen ‚Heiligen Geschichte‘ dargelegt ist, die sich in den Drei Reine Land Sutren finden lässt und wo Amida versichert, daß jeder befreit werden wird, der seinen Namen rezitiert (eben das Nembutsu spricht)), weil wir erfahrungsgemäß nicht die Ebene an verwirklichter Spiritualität, an Einsicht, erreichen können, die nötig wäre, um das Ego als Konzept und Vorstellung zu transzendieren. Shinran selbst nahm für sich nie in Anspruch einen besonderen Grad geistiger Verwirklichung erreicht zu haben, wie es spirituelle Lehrer sonst gerne tun, denn seiner Erkenntnis nach sind und bleiben wir unserer inneren Natur nach ‚bombu‘ (verblendete Wesen angetrieben von blinden Leidenschaften) solange wir in dieser Welt existieren. Er behauptete nie irgendwelche erhabene religiöse Einsichten gewonnen zu haben und sah sich selbst ganz genauso als ‚bombu‘ wie jeden anderen auch, von spirituellem Habitus finden wir bei Shinran keine Spur – was ihn in meinen Augen als Lehrer verlässlicher als andere erscheinen lässt.

Er sagte auch, daß Eigen-Kraft eine natürliche Tendenz unserer bombu-natur ist. Wir sind so strukturiert, daß wir immer versuchen so zu agieren, als seien wir alleine und unabhängig auf der Welt und erreichen können, was wir uns vornehmen. Durch Shinjin (volles Anvertrauen) jedoch und die Erleuchtung durch das Gelübde Amidas kommen wir zur Einsicht, daß eben diese Mentalität der Selbst-Kraft  und darauf basierende Bemühungen in spiritueller Hinsicht vergeblich sind. Solche Bemühungen und Ansprüche in spirituellen Fragen führen zu Widersprüchen, wenn man nur genau hinsieht wie tief verwurzelt die ‚egoistischen‘ Antriebe in uns sind.

Leute, die meinen, etwas erreicht zu haben auf der spirituellen Entwicklungsleiter, verfallen nur allzu leicht in Selbstgerechtigkeit oder entwickeln ein ungesundes Überlegenheitsgefühl gegenüber jenen, die diesen Level scheinbar noch nicht erreicht haben. Diese Lehrer-Posen sind auch im Buddhismus verbreitet und führen oft zu Abhängigkeiten unsicherer Schüler, die sich durch einen überlegen auftretenden Lehrer in ihrem Schülersein bestätigt fühlen, was spirituelle Entwicklung mehr behindert als fördert. Es sind die Selbstgerechten dieser Welt, die in ihr größten Probleme in jeder Hinsicht schaffen.

Ich darf Prof. em. Dr. Alfred Bloom zitieren (Hervorhebung von mir), der zu den wichtigsten Vetretern der Jodo Shinshu im Westen gehört:

Shinran (the founder of Jodo Shinshu) built on the foundations laid by his teacher, Honen. The experience of Shinran in the northern and eastern provinces of Japan during his time of exile and his later teaching career enabled him to give deeper theological interpretation to the meaning of universal compassion. As we shall see later, one of the most crucial features of his teaching was the reinterpretation of the breadth and depth of Amida Buddha’s transfer of merit on behalf of sentient beings and the implications which this view had for the nature of religious existence. Because of Amida’s compassion, our salvation is assured in faith and we need not be concerned for our future destiny. Because of this, religious practice becomes an expression of gratitude, and religion transforms to concern for others rather than efforts for saving oneself. In practice, in terms of the life strategies of modern men and women, this gives existential meaning to religious practice, not as something divorced from life itself but as integral meaning and focus for everyday living. (Prof. Dr. Alfred Bloom)


Was sind ihre Kräfte

‚Seine‘ Kraft ist die Fähigkeit fühlende Wesen vom Leiden zu befreien, denn ‚er‘ ist eine Wirklichkeit, die niemanden von ’seinem‘ Mitgefühl ausschließt. ‚Seine‘ Kräfte sind grenzenloses Mitgfeühl und unermessliche Weisheit – weil ‚er‘ die Personifizierung einer Wirklichkeit ist, die alle Illusionen im klaren Sehen der Soheit der Dinge auflöst. ‚Seine‘ sind die Kräfte der Erleuchtung, das Wesen der Buddhaschaft.

 

 

sind sie in irgendeiner Weise eingeschränkt?

Auch hier möchte ich einen bekannten und von mir geschätzten Shin Lehrer aus den USA zitieren, Prof. Dr. Taitetsu Unno, der diesen Punkt gut beantwortet, wie ich finde und sagt was Amida ist und vor allem nicht ist:

 

1. Amida Buddha is not a creator, but he is a saviour who performs his compassionate work without any condition whatsoever.

2. Amida Buddha does not judge or punish man, for man is responsible for his own acts and invites the consequences, good or bad, of his acts.

3. Amida Buddha does not perform miracles, but he manifests his saving compassion through the rhythem of natural laws.

4. Amida Buddha is not transcendent, standing outside this world; but he is immanent, for his very being is rooted in the limitations of this world which will be transformed by the power of Amida’s love.

5. Amdia Buddha is not a wrathful or jealous God; rather, the power of compassion fulfilled in his Original Vow completes tlhe promise that he will not rest until all beings attain the same enlightenment, Buddhahood, as himself.

6. Amida Buddha does not discriminate in any form, whether of belief or creed, moral good or moral evil, human life or animal life, but he embraces all in Oneness with equal warmth.

7. Amida Buddha does not show his love by the blood of crucifixion, sacrificing his own being, but by making his compassion accessible to mankind through the Nembutsu, his sacred name, which resounds throughout the universe. Wherever his sacred name, Namu Amida Butsu, is pronounced, there he is. Amida Buddha is the timeless content of enlightenment realized by the historical Buddha, Shakyamuni. Amida means boundless compassion and immeasurable wisdom. Immeasurable wisdom sees into the fragility of human life, and boundless compassion is moved by this insight to actively embrace all live into the timeless fulfillment of truth.

 

Der Grund, warum ich frage ist, das einer der Aspekte, die mich vom religiösen Glauben weggetrieben haben, die unzureichende Beschreibung dessen war, was in den verschiedenen Schriften, die ich gelesen habe, als Gott bezeichnet wird. Wer – so fragte ich mich selbst – würde denn wirklich eine solch extrem egoistische, neidische und geradezu boshaft erscheinende Wesenheit verehren, die in jeder Hinsicht mit ebenso menschlichen Fehlern behaftet ist, wie wir?

 

Eine sicherlich berechtigte Frage und im Buddhismus steht die Idee eines Gottes, wenn er wie in den theistischen Religionen als Schöpfergottheit postuliert wird, im Gegensatz zur Lehre der abhängigen Entstehung – ein Gott also im Sinne der christlichen, jüdischen oder islamischen Vorstellung kann gemäß buddhistischer Lehre nicht existieren. Götter hingegen können existieren, denn wir haben grundsätzlich keinen Grund anzunehmen, daß wir die einzig mögliche Form der Existenz darstellen, es mag Dimensionen geben, wo Wesenheiten existieren, die nicht auf die materielle Form angewiesen sind, wie wir es nun mal sind. Der Buddhismus lässt Raum für diese Möglichkeit, aber letztlich spielt die Existenz oder Nicht-Existenz dieser Götter keine Rolle, denn sie könnten uns sowieso nicht helfen, unsere Natur als an die samsarische Existenz gebundene Wesen zu ändern.

In der Tat betrachtet der Buddhismus auch Götter als Teil des Samsara und geht davon aus, daß ihre scheinbar bessere Existenz die frucht positiven Karmas ist, die sich dergestalt als Wirkung manisfestiert. Jedoch werden sie auf niedrigere Existenzebenen zurückfallen, wenn dieses Karma ‚verbraucht‘  ist (so zumindest die traditionelle Lehre des Buddhismus zu Göttern). Ein Schöpfergott im Sinne eines unbewegten Bewegers, einer ex-nihilo schaffenden ersten Ursache kann jedoch gemäß buddhistischer Lehre nicht existieren.

Der Gott der theistischen Religionen ist mehr ein makrokosmisches Abbild unseres eigenen mikrokosmischen Egos, das wir nur zu gut aus unserem normalen Leben kennen und was erklärt, daß dieser ‚Gott‘ mit den gleichen Fehlern behaftet ist, wie wir, die wir ihn geschaffen haben.

 

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