Kannst Du etwas zu Deiner eigenen Shinjin Erfahrung sagen?

Nein, leider nicht, zumindest nicht im Sinne einer erschöpfenden Erklärung. Ich hatte vor etwa 10 Jahren eine Erfahrung, aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, wie ich es bechreiben soll. Normalerweise sage ich, daß ich einen kurzen Blick auf  das werfen konnte, was Shinran mit Shinjin meinte, eine spontane Ahnung davon in mir auftauchte. Zu sagen, ich hatte oder habe Shinjin, steht  auch der konstanten Realisierung meiner ‚bombu‘ Natur entgegen und es ist ja gerade die Bewußtwerdung dieser Natur, die Shinjin überhaupt erst möglich macht. Es gab so etwas wie ein tiefes, spontanes Gefühl, daß ich nicht ‚aus dem System fallen kann‘ sozusagen, egal wie sehr ich es auch versuchen würde, egal was auch passiert. Deswegen kann ich genauso gut aufhören mit solchen Versuchen und mich entspannen.

Was Shinran mit Shinjin verbindet ist ja eben das Herausnehmen dieser ständigen Spannung und des Drucks, nicht nur aus dem spirituellen Leben, sondern aus unserer menschlichen Existenz an sich, die Hinterfragung der immer präsenten Machbarkeitsideologie. Diese Grundentspannung wird in allen budddhistischen Schulen im Grunde mit dem Erreichen einer bestimmte höheren Stufe der Einsicht in die Natur der Dinge verbunden, allerdings ist der Weg dahin oft alles andere als entspannt und verstärkt eher noch den Druck, was ziemlich kontraproduktiv erscheint.

In diesem Sinne erscheinen die Jiriki Praktiken als Versuch, einen selber aus dem System herauszukatapultieren, als Durchbruch – oder vielmehr Ausbruch – in eine andere Form der Existenz und das hatte für mich dann plötzlich diesen Geschmack von Dualismus, den der Buddhismus ja überwinden will. Eine Welt hier und eine andere Welt dort, die Illusion hier und die Erleuchtung dort, die Lüge hier und die Wahrheit dort usw.. Für mich gibt es nur eine Welt und diese mag sehr wohl eher ein Multiversum als ein Universum sein und diese Realität, die ich als einzige sehe , ist nur beschreibbar als als unendliches Licht und Leben, weil sie in letzter Konsequenz formlos und unendlich ist, ja sein muss.

Aber diese Realität ist nur verständlich und annähernd begreifbar durch Symbole, weil alles, was wir sehen, hören und tun letzlich eine Kommunikation über Symbole ist, es sind Werkzeuge, Hilfsmittel, um die Welt um uns zu verstehen. In diesem Sinne ist die Mythologie des Reinen Landes in der Lage, mir eine Art symbolischer Landkarte in die Hand zu geben, die es mir erleichtert durch mein Leben zu navigieren. Was Shinran Shinjin nannte ist etwas, das irgendwann ungefragt in mir aufstieg als Gewissheit ‚es ist in Ordnung hier zu sein, genau so, wie es jetzt ist‘ trotz aller Schwierigkeiten, oder Probleme. Das war der erste Schritt auf dem buddhistischen Weg, der in allen Schulen lehrt, die Wirklichkeit so zu sehen und zu nehmen wie sie ist – ohne Interpretationen und Versuche sie zu etwas zu machen, was sie nicht ist.

Nur so ist eine grundlegende Akzeptanz möglich aus der heraus ein gewisser Geistesfrieden entsteht. Diese Gewissheit hat mir einen solchen Geistesfrieden geben können, aber es ist kein ständiges Bewußtsein davon oder etwas, das ich als ‚Effekt‘ willentlich anschalten könnte.

Deswegen spreche ich eher von meiner ‚Ahnung von Shinjin‘ als von Shinjin als solchem. Es gibt eine Erinnerung an eine Erfahrung und diese begleitet mich, auch wenn meine bombu Natur sie immer wieder zu verdunkeln versucht. Das Nembutsu hilft mir sie immer wieder zu vergegenwärtigen und es spricht sich von selbst, wenn diese Erinnerung wieder Erfahrung wird. Es geht mehr um einen dynamischen Prozess einer permanenten Neuorientierung, als um einen toten Standpunkt, den man einmal in einer linar gedachten Zeitlinie eingenommen hat und von dem man dann seine Orientierung  im ständigen Rückblick versucht. Für mich ist Shinjin diese ständige Erinnerung des Unvergesslichen, eine Gewissheit, daß alle Dinge bereits getan sind, so daß ich sie nicht mehr tun muss. Das ist es, was gemeint ist wenn es heißt:

When I attain Buddhahood, the sentient beings of the countless, immeasurable, inconceivable, numberless worlds throughout the ten quarters who receive the Buddha’s majestic light and are touched and illuminated by it shall attain peace and comfort in body and mind, thereby surpassing other human beings and devas. If it be not so, may I not attain enlightenment.

Tut mir leid, wenn das nicht viel Sinn für Dich macht, aber wie ich sagte, ich habe nicht wirklich etwas über ‚mein Shinjin‘ zu sagen. Es ist jenseits aller Worte außer – Namu Amida Butsu

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