Wie hat sich Ihr Alltag verändert?

Gar nicht, wenn ich das auf Äußerlichkeiten beziehe. Jodo Shinshu hat viele Unterschiede zu anderen buddhistischen Traditionen und auch zu den anderen Reine Land-Traditionen, zu denen sie generell gehört. So wird bei uns darauf verzichtet, die ‚Silas zu geben‘ resp. ‚zu empfangen‘, was sich auf die zeremonielle Selbstverpflichtung auf die 5 Laiengelübde:

Ich gelobe, mich darin zu üben, kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen.

Ich gelobe, mich darin zu üben, nichts zu nehmen, was nicht freiwillig gegeben wird.

Ich gelobe, mich darin zu üben, mich keinen anstößigen sexuellen Freuden hinzugeben.

Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und wohlwollend zu sprechen.

Ich gelobe, mich darin zu üben, keine berauschenden Substanzen zu konsumieren, die den Geist verwirren und das Bewusstsein trüben.

vor Zeugen bezieht. Für Shinran war ethisches Verhalten kein Weg, um die Erleuchtung/Erlösung zu erzwingen (darin war er sich einig mit Luther, der die Rechtfertigung als sola fide sah und der ‚Werkgerechtigkeit‘ eine Absage erteilte) und dementsprechend sind für ihn die 5 Silas zwar ethische Ideale, aber die Verpflichtung auf Ideale erzeugt seiner Meinung nach eher ein emotionales Umfeld, welches der dem Menschen inhärenten Schwäche, diese nicht immer halten zu können, resp. sie überhaupt erreichen zu können, nicht Rechnung trägt und damit psychologisch kontraproduktiv ist. Die ersten 4 Silas sind denn auch für Shin Buddhisten die ethische Grundmaxime, aber sie werden nicht im Sinne eines zeremoniellen Schwurs abgelegt.

Die 5. Sila gilt gemeinhin als Zusatz, der weniger ethisch begründet ist, als vielmehr aus dem Umstand begründet ist, dass der Buddha in der Regel zu Mönchen sprach, die meditierten. In der Jodo Shinshu spielt die Meditation als Weg zur Erleuchtung keine Rolle und der moderate Konsum von alkoholischen Getränken ist erlaubt. Anders als in manchen buddhistischen Schulen ist auch der Vegetarismus in der Shinshu nicht relevant, so dass auch hier keine Umstellung erforderlich wäre, die eine Veränderung des Alltags mit sich bringen würde. Es ist eine reine Laienbewegung, d.h. wir haben keine Mönche und Nonnen, die Priester stehen nur Tempeln und Gemeinschaften vor und haben auch nur dort eine Rolle. Es gibt weder Retreats, noch große Versammlungen, die in irgendeiner Form verpflichtend wären, keine Meister, Lehrer oder Lamas, die man in gewissen Abständen persönlich aufsuchen müsste usw.. Die einzige ‚Auffälligkeit‘ ist mein Hausaltar und die Tatsache, dass ich eine Onenju (eine kleine Mala/Kette) täglich mitführe, die schlicht eine Erinnerung daran ist, dass man sich dem Großen Gelübde Amida Buddhas anvertraut hat. Auch damit wird keine Praxis verbunden, die Aufmerksamkeit erregen würde (wie etwa das Zählen von Mantras in anderen buddhistischen Schulen).

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Published in: on 7. April 2010 at 12:13  Schreibe einen Kommentar  

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