Was hat Sie dazu bewogen, den Glauben zu wechseln?

Es ging mir nie um eine bewusste Umorientierung, sondern durch ein schon früh einsetzendes Interesse an Philosophie, Religion und Kultur, was dann später auch zur Wahl meines Studienfaches Vergleichende Religionswissenschaft geführt hat, war ich in einem permanenten Austausch mit diversen Lehren und Interpretationen dessen, was wir als Wirklichkeit erfahren. Dieser führte durch eine relativ natürliche Anpassung an die jeweiligen Umstände zu einer quasi immer ‚im Hintergrund‘ laufenden Reflexion darüber, was ich von einem bestimmten spirituellen Weg lernen konnte und führte dementsprechend zu einem organischen Wachstum meiner Überzeugungen und generellen Orientierung.

Aus diesem Grund war keiner der von mir praktizierten Wege jemals ein ‚Irrweg‘ für mich, denn ich habe zu unterschiedlichen Zeiten meines Lebens Einsichten gewonnen, die zu dem Zeitpunkt, als ich sie gemacht habe, wertvoll und ‚richtig‘ waren. Ein ‚Glaubenswechsel‘ war also bei mir weniger ein Akt des ‚jetzt weiß ich, dass ich falsch lag und habe endlich die Wahrheit gefunden‘, sondern eher ein Wachstumsprozess basierend auf meiner Einsicht, dass spirituelle Orientierungen immer nur ‚Wahrheiten‘ für den Einzelnen sein können. Diese können wechseln, sich gegenseitig befruchten und sind wegen ihres Charakters als individuelle Wege der Interpretation des Mysteriums ‚Leben‘ (auch wenn das Individuum sich auf eine kollektiv praktizierte Tradition bezieht) auch nicht anderen aufzwingbar. Insofern hat mich nichts bewogen, meinen Glauben zu wechseln, sondern die kontinuierliche Auseinandersetzung mit mir selbst hat zu einem differenzierten Verständnis dessen geführt, was zu bestimmten Zeiten die jeweils gültigen Parameter meiner spirituellen Orientierung waren. Waren diese Parameter nicht mehr ‚gültig‘ (was ich immer nur auf mich selbst bezogen habe, Aussagen über die Wahrheit einer Religion eo ipso habe ich nie gemacht, was dazu geführt hat, dass ich in keinster Weise missionierend auftrete), startete quasi wieder der übliche Prozess einer Reflexion anderer Interpretationen, wobei ich diejenige adaptierte, die mit dem neuen Verständnishorizont kongruent war.

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Published in: on 7. April 2010 at 11:58  Schreibe einen Kommentar  

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