Was für einen Glauben hatten Sie vor der Konversion?

Ursprünglich war ich bereits als Jugendlicher sehr stark am Buddhismus interessiert und habe mich ab dem Alter von 14 mit dem Dharma beschäftigt. Etwa vier Jahre habe ich vor allem die Traditionen Theravada, Zen und später auch Vajrayana (Tibetischer Buddhismus) studiert.

Danach kam eine Phase, in der ich mich sehr für den ‚okkulten Untergrund des Abendlandes‘ interessierte, also Gnostizismus und hermetische Magie, was zur ‚Begegnung‘ mit der Figur Aleister Crowleys führte. Crowleys Thelema Lehre wurde für viele Jahre meine persönliche Richtschnur und Basis einer spirituellen Entwicklung und praktisch gelebten Magie, wobei festgehalten werden muss, dass sich auch in Crowleys Lehre (die kein Satanismus ist, wie leider allzu oft von unwissender Seite propagiert wird – nachzulesen in meiner religionswissenschaftlichen Studie: Aleister Crowley’s Scientific Illuminism. Magie und Mystik als angewandte Psychologie zur Transformation des Menschen) viel von dem findet, was auch der Buddhismus in seinen vielfältigen Schulen lehrt und das eigentliche Hauptziel, die Entmachtung des Egos, welches die leidschaffenden Illusionen aufrecht erhält, im Grunde gleich ist.

Im Laufe der Zeit und durch weitere Studien und Selbstreflektionen innerhalb der thelemitischen Lehre bin ich letztlich zum Asatru gekommen, der heute gelebten Form der germanischen Religion. Dies war bestimmt durch das Gefühl einer elementaren Entwurzelung, die vor allem in der eklektizistisch geprägten Lehre Crowleys durchkam, was mich hat fragen lassen, ob eine Orientierung auf spirituelle Elemente von außen (kulturell gesehen) wirklich die einzige Wahl darstellt. Im Zuge dessen wurde mir klar, das dem nicht so war und gerade im katholischen Christentum, wie wir es in Europa kennen, noch sehr viele pagane Elemente zu finden sind. So sind z.B. die verschiedenen Feste oft nur dünn mit einer christlichen Deutung überdeckt und Weihnachten hat immer noch mehr vom germanischen Julfest als von der Geburt des christlichen Heilandes. Asatru ist allerdings eine recht diesseitige Religion, d.h. es wird vor allem Wert auf Ethik und einen Verhaltenskodex gelegt, der innerhalb des Hier und Jetzt eine Rolle spielt und sozialnormativ geprägt ist. Gedanken über ein Leben nach dem Tod, Ursprung der Welt usw. verbleiben in einer mythisch geprägten Deutung, die mehr agnostisch wirkt als wirklich erklärend ist. Asatru war für 13 Jahre mein Weg und hat mich vieles gelehrt und mir in Bezug auf meine persönliche Entwicklung viel gebracht.

Vor etwa 12 Jahren bin ich, anfangs ausgelöst durch eine Krise in meiner Beziehung mit meiner damaligen Verlobten, die ebenfalls Asatru angehörte, die mich viele Dinge hat hinterfragen lassen, zu einer Reorientierung zum Dharma gekommen. Mir wurde bewusst, dass eine reine Diesseitsreligion im Sinne einer nur ethischen Weltsicht nicht genügt, weil Fragen nicht beantwortet werden, die innerhalb des Asatru wenig Sinn ergeben, für mich aber zum Mensch sein an sich dazugehören. Nachdem beide spirituelle Wege (Thelema und Asatru) vorher sehr egobezogen waren (Thelema im Sinne einer magischen Sicht, das Ego zu stärken, damit es überwunden werden kann und Asatru als Festigung des Egos an sich und seiner Verankerung in einer sippengebundenen Sozialstruktur) kam es durch die Rückorientierung zum Buddhismus zur Einsicht, dass solche ‚egoistischen‘ Wege für mich jetzt nicht nur theoretisch fragwürdig geworden waren, sondern ganz praktisch mich eben nicht weitergebracht haben, was letztlich die Einsicht in die Wahrheit der Lehren des Buddhismus hat reifen lassen.

Für mich hat sich damit der Kreis geschlossen, meine ersten Schritte auf dem buddhistischen Weg mit 14 Jahren haben mich über manche Umwege (die ich aber nicht missen möchte, sie gehören zu meiner Biographie) wieder zum Dharma zurückgebracht, jetzt allerdings mit mehr Erfahrung und Reflexion als früher, wo ich noch nicht so viele Wege kannte. Mit 42 Jahren steht für mich fest, dass es keine weitere Konversion mehr geben wird, wenn man mal mögliche Umorientierungen innerhalb des Buddhismus (was die praktizierte Tradition angeht) mal außen vor lässt, die ich zwar so nicht erwarte, welche aber, wenn sie geschehen sollten, keine Abwendung vom Buddhismus an sich darstellen würden.

Ich habe über die Dharma Interpretation des japanischen Lehrers Shinran, des Gründers der Jodo Shinshu (Wahren Schule des Reinen Landes), eine Tradition gefunden, die mir das vermittelt, was ich für das Wesentliche eines jeden spirituellen Weges betrachte – Vertrauen und Mitgefühl.

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