Kann man als Shin Buddhist eine feste Zeit für das Nembutsu einrichten?

Ich habe kürzlich etwas über Honen Shonin gelesen, wo es hieß:

„Auch wenn wir nicht die Zeiten direkt festlegen, um das Nembutsu als unsere tägliche Aufgabe zu rezitieren, ist es nicht von Vorteil, es so oft wie möglich zu tun?“ – „Es ist besser, die Zeiten festzulegen, damit man nicht der Bequemlichkeit nachgibt.“

Nun weiß ich, daß Shinran absolute Ander-Kraft gelehrt hat, aber wäre es denn in Ordnung, wenn ich bestimmte Zeiten festlege, um das Nembutsu zu chanten?

Sicher wäre das in Ordnung. Die meisten Shin Buddhisten machen es so, daß sie einer bestimmten Routine im ‚Shin Service‘ folgen, entweder morgens oder abends, oft sogar sowohl als auch. Dabei orientiert sich das Prozedere an den Zeiten, die in den Tempeln eingehalten werden und man rezitiert ebenfalls die Briefe Rennyos, die Hymnen Shinrans usw..

Anfangs habe ich das ebenfalls so gemacht, bis ich gemerkt habe, daß wenn ich mal nicht die Zeit hatte, es durchzuführen, oder einfach nicht ‚in Stimmung‘ war, ich dazu tendierte  zu denken ‚Ich sollte morgen damit wieder anfangen…‘ oder irgendwas in dieser Richtung. Und das wiederum erschien mir irgendwann nicht ‚richtig‘, denn ein Teil von mir brachte diesen festen Shin Service und die dadurch aufkommende Routine in der Praxis mit meinem Vertrauen auf das Urgelübde zusammen, ja betrachtete es wohl als notwendigen Zusatz. Es ist eine recht dünne Trennlinie zwischen einfach bequem sein und eine solche reguläre Praxis bewußt nicht zu machen, weil man realisiert, daß das Ego sie wieder als sine qua non ansehen könnte und als Werkzeug benutzt, so daß man seine spirituelle Praxis davon freihalten möchte.

In meinem Fall ist es so, daß ich Wochen habe, wo ich nicht einmal die Kerze auf meinem Obutsudan entzünde, weil ich es einfach nicht ‚brauche‘, oder schlicht nicht die Zeit dafür habe, warum auch immer. Wenns nicht natürlich in meinen Tagesablauf passt, zwinge ich mich nicht dazu, es zu machen – warum sollte ich auch? Niemand ist da, der darauf wartet, daß ich es tue. Und dann gibt es wieder Zeiten, wenn ich mich quasi zum Obutsudan hingezogen fühle, dann möchte ich einfach nur eine Kerze entzünden, die Räucherung machen und meine Hände zusammenlegend mit lauter Stimme rezitieren, oder auch nur flüstern…Namu Amida Butsu. Oder ich chante das Nembutsu für eine halbe Stunde ohne Pause und mag gar nicht aufhören.

Also, ich würde sagen, mach was immer sich für Dich richtig anfühlt…das Nembutsu ist das wirkende Urgelübde…es ist das Erfasstsein durch die Realität Amida Buddhas jetzt und hier, genau wo Du bist und so wie Du bist. Es gibt keine Regeln, die man beachten muss, kein ‚richtig‘ und kein ‚falsch‘, es gibt nur Namu Amida Butsu. Es sagt sich selbst, ohne Dich. Du musst nur hinhören, wenn es gesprochen wird. Für mich ist der Weg des Nembutsu eine Reise durch mein Leben, die ich versuche vom ‚inneren Licht‘, der ‚Buddha-Natur‘, dem ‚Getragensein von Amida‘, wie immer man das auch nennen möchte, leiten zu lassen – und eben deswegen lasse ich mich leiten und versuche nicht alles in eine von mir geschaffene Schablone zu pressen. Jegliche zwanghafte ‚Ritualisierung‘ steht dieser gelebten Spiritualität, die ich als meinen persönlichen Weg betrachte, entgegen. Hier gibt es keine Magie, die mysteriös wirkt, keine Zaubersprüche müssen aufgesagt werden, um die üblen Geister zu vertreiben 😉

(…) the Name breaks through all the ignorance of sentient beings and fulfills their aspirations. Saying the Name is the right act, supreme, true, and excellent. The right act is the nembutsu. The nembutsu is Namu-amida-butsu. Namu-amida-butsu is right-mindedness. Let this be known. (Shinran)

Das rechte Bewußtsein, von dem Shinran hier spricht, ist der Schlüssel zur Erfahrung des Nembutsu. Das heißt nicht nur offen zu sein, um den Namen-der-ruft auch zu hören, sondern auch, ihn nicht erzwingen, oder in feste Strukturen einbinden zu wollen. Das bekannte Pauluswort ‚Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig‘  könnte einem hier einfallen, denn es spricht letztlich von derselben nötigen Freiheit von fixen Strukturen, die einem lebendigen spirituellen Weg zugrundeliegt. Es geht darum ihn zu gehen, nicht darum immerzu zu ‚tun‘ und zu ‚machen‘ und Ritualen mehr Bedeutung zuzuschreiben, als sie haben. Für mich sind es mögliche Ausdrucksformen, die einerseits spontan geschehen sollten und andererseits einer solchen Spontanität dann eine Grundlage des Ausdrucks geben können, wenn man es braucht. Rituale und feste ‚heilige Zeiten‘ sind eher wie Wege, wo man genau weiß, wo sie hinführen und die man dann voller Vertrauen gehen kann, wenn man den Ort erreichen will, den sie erreichbar werden lassen. Anstatt eben dann erst nach möglichen Wegen zu suchen…


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Published in: on 29. März 2010 at 13:06  Schreibe einen Kommentar  
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