Mappo

Im Mahayana Buddhismus hat sich die Vorstellung herausgebildet, daß der Dharma – wie alles andere in dieser Welt – natürlich ebenfalls dem Wandel und letztlich dem Verfall unterliegt. Anders gesagt, die Tatsache, daß im Buddha Dharma die ‚Wahrheit‘ enthalten ist, kann nicht verhindern, daß die Verkündigung dieser Wahrheit, die sich ja der Worte und der Menschen bedienen muss, um wirksam zu werden, eben gerade wegen dieser Vermittlung dem Wandel unterwirft. In diesem Sinne geht man davon aus, daß von der ersten Drehung des Dharmarades an, also ab der Zeit, in der der historische Buddha seine Lehre verkündete, ein steter Verfall seiner in dieser Welt manifestierten Lehre eintrat, was die Möglichkeit verringert, durch diese Befreiung zu erlangen. Traditionell geht man von einem dreigestaffelten Modell aus:

1. Die Zeit des Wahren Dharma (die Lehre erläutert die Praxis, die zur Erleuchtung führt und die Menschen setzen sie um)

2. Die Zeit des äußerlichen Dharma (die Praxis wird nur noch äußerlich als Routine betrieben, führt deswegen nicht mehr zur Erleuchtung)

3. Die Zeit des Niedergehenden Dharma (selbst die Praxis wird nicht mehr befolgt, Erleuchtung ist nicht mehr möglich)

Je nach Tradition dauern diese Perioden unterschiedlich lange (die ersten beiden zwischen 500 und 1000 Jahre, die letztere 10,000 Jahre), allen Vorstellungen gemeinsam ist die Ansicht, daß wir heute in der letzten Phase des Dharma leben und wenn diese zu Ende geht, selbst die Lehre des Buddha verschwindet, wie alles andere in der Welt des Samsara.

Die Mappo-Idee ist die Grundlage der sogenannten reformbuddhistischen Schulen der Kamakura Zeit in Japan, wie der Nichiren-Schule und der Jodo Shu und Jodo Shinshu. Dogen, der Begründer der Soto-Zen Schule, lehnte die Mappo Ideen ab und meinte, durch den Eifer nach Wahrheit können die Bedingungen von Zeit und Raum transzendiert werden.

Shinran nahm diese Vorstellung des Mappo auf und interpretierte sie weniger zeitlich, sondern eher essentiell. Für ihn ging es weniger darum, ein Zeitmodell zu erklären, sondern  Mappo war für Shinran ein grundsätzlicher Zustand, in dem sich jeder Mensch befindet, unabhängig von der Zeit in der er lebt. Die Tatsache, daß jeder seit unermesslichen Zeiten im Samsara umherwandert bedingt, daß jeder einen quasi unerschöpflichen ‚Pool‘ an Karma angehäuft hat, der wegen seiner Unendlichkeit nicht erschöpfbar ist. Die Verflechtung des Einzelnen in diese Welt der Illusion und das Getriebensein durch die menschliche Natur mit all ihren Leidenschaften, lässt es per defintionem als unmöglich erscheinen, sich selber daraus zu befreien. ‚Sich selber‘ verstanden als durch Wege und Praktiken, die auf dem (illusionären) Selbst/Ego basieren. Mappo, das ‚Zeitalter des Niedergehenden Dharma‘  ist demnach der Zustand, in dem sich der Mensch seit unendlicher Zeit befindet, weil er die Lehre im Sinne einer Selbstbefreiuung nicht umsetzen kann. Ebenso wie beim Verständnis des Karma, findet sich also auch bei dieser traditionellen Vorstellung durch  Shinran eine Verschärfung und Verallgemeinerung des Begriffes gleichermassen.

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Published in: on 26. März 2010 at 13:01  Schreibe einen Kommentar  
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