Karma

Die Vorstellung des Karma im Buddhismus beschreibt eine Ursache-Wirkung Beziehung, nach der sich Taten und Absichten entsprechend ihrer neutralen, positiven oder negativen Intentionen für den Handelnden in diesem oder auch in folgenden Leben auswirken. Karma ist nicht, wie es oft missverstanden wird, eine Form von Schicksal, sondern ein im kosmischen Geschehen gesetzmäßig ablaufender Mechanismus, der auf der Idee basiert, daß alles mit allem verbunden ist und nichts geschehen kann, ohne das es anderes beinflusst. Bei Shinran wird Karma allgemein negativ betrachtet und oft als ‚karmisches Übel‘ bezeichnet. Dies liegt an der Tatsache, daß auch positives Karma, welches also nicht primär auf egozentrischen und/oder negativen Absichten und Handlungen basiert, den Handelnden mit dem samsarischen Kreislauf verbindet. Im Buddhismus führen etwa positive Handlungen/Absichten zu einer guten Wiedergeburt, negative entsprechend zu einer Wiedergeburt in einem niederen Seinszustand. Beides führt aber eben zu einer Wiedergeburt und führt damit nicht aus dem Samsara heraus, was Shinran eben mit der Bezeichnung als ‚karmisches Übel‘ betont. Weiterhin geht der Buddhismus davon aus, daß es keinen Anfang der samsarischen Welt gibt, so daß Shinran hier einfach diesen Gedanken in Bezug auf das Karma konsequent zu Ende dachte – wenn es keinen zeitlichen Anfang gibt, dann sind alle Wesen seit unendlicher Zeit Teil des sich ständig wiederverköpernden Lebens und dementsprechend hat jeder unendlich viele neutrale, positive und negative Taten/Handlungsabsichten gewirkt. Davon ausgehend, daß alle diese ‚karmischen Samen‘ auch reifen müssen, bedingt dies eine unendliche Folge von Wiedergeburten. Karma ist also grundsätzlich ‚von Übel‘, weil es immer an den samsarischen Kreislauf bindet.

Der einzige Weg sich aus dieser unendlichen Karma-Anhäufung zu befreien, liegt nach Shinran im völligen Aufgeben jeglicher spiritueller Berechnung und Eigenkraft-Praxis. Absolutes Vertrauen auf die Kraft des Ursprünglichen Gelübdes führt zum Durchbrechen der karmischen Verstrickung und zur Umwandlung – nicht Aufhebung – des karmischen Übels in die Tugenden des Buddha.

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Published in: on 26. März 2010 at 13:41  Schreibe einen Kommentar  

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