Ist das Konsumieren von Fleisch verwerflich?

(die Frage war Teil einer Umfrage in einem buddhistischen Forum und wurde eingeleitet mit, (was meine Antwort mitgefärbt hat):

Fleischkonsum ist für eine so bewusst lebende und denkende Spezies wie uns Menschen in der Tat [aus meinem subjektiven ethischen Bestreben] sehr verwerflich! (aus dem Grund der Bewusstheit)
Verwerflich, zumindest dann, wenn man sich nicht notwendigerweise davon ernähren muss, weil man sonst sterben würde!

Nun, diese vegetarischen Threads sind ja recht beliebt in buddhistischen Foren.

Erst einmal finde ich schon, daß die Art und Weise, wie diese ‚Umfrage‘ hier eingeleitet wird, sehr wohl gleich von vornherein eine unzulässige Wertung darstellt, indem das Fleisch essen bereits als ‚verwerflich‘ hingestellt wird (ob nun aus subjektiver Sicht oder nicht), bevor hier noch groß drüber abgestimmt wird. Entweder hätte man den Thread anders benennen sollen (Stimmt ihr mir zu, daß Fleisch essen verwerflich ist?) oder man hätte die Frage ohne diese suggerierende vegetarische Einleitung stellen müssen.

Auch ist es eine beliebte ‚Masche‘ das Fleisch essen immer nur mit der industrialisierten Massentötung und -verwertung gleichzusetzen und dem dann den Vegetarismus als ethisch reine Alternative entgegenzustellen. Es gibt aber sehr wohl verschiedene Umstände und viele, die Fleisch essen wollen/müssen, lehnen diese Art der Tierhaltung und -verwertung ebenfalls ab – und beziehen ihr Fleisch deswegen auch vom örtlichen Metzger, der die Tiere vom ebenso örtlichen Bauern bezieht. Da fällt all das in der Regel weg, was man in diesen, zugegebenermaßen schlimmen, Filmen immer so sieht.

Und weiterhin ist es nun mal so, daß der Buddha kein Vegetarier war, keinen Vegetarismus gelehrt hat und in der Tat das Töten von Lebewesen verboten hat (wenn man hier von Verbot überhaupt sprechen will – die Silas sind eher Ratschläge für ein heilsames Leben), nicht aber den Verzehr von totem Fleisch. Die Meinung, jeder der nun irgendwo Fleisch kauft, sei irgendwie karmisch an das Töten gebunden und deswegen nicht besser als der der faktisch das Tier getötet hat, ist ein wenig an den Haaren herbeigezogen, denn der Buddha wird sich wohl dieses Umstandes bewußt gewesen sein und da er eine klare Trennung zwischen beiden Situationen gemacht hat, hat er das wohl selber nicht so gesehen.

Abschließend ist eben der Umstand, daß in dieser Welt Lebewesen von Lebewesen leben (auch die vegetarisch lebenden Wesen – Tier und Menschen – töten Leben und die Unterscheidung in höher- und minderwertiges Leben, was bei dieser Frage ja geschieht (ein Tier ist mehr wert als eine Pflanze) ist eine ziemlich konstruierte Schutztheorie) das gravierendste Zeichen dafür, daß das Dasein Dukkha (in diesem Fall sicherlich mit Leiden zu übersetzen) ist und damit die Erste Edle Wahrheit des Buddha sehr einsichtig werden läßt.

Bleibt festzuhalten, daß in meinen Augen die Frage Vegetarismus als Lebensweise ja oder nein, eine rein persönliche Entscheidung ist, die als solche keinerlei Aussagen über die ‚Verwerflichkeit‘ des Fleischessens an sich zuläßt und sich in diesem Sinne nicht als ‚buddhistische Lebensweise‘ begründen läßt.

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Published in: on 10. März 2010 at 17:39  Schreibe einen Kommentar  
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