Aber der Dalai Lama sagt, daß Gott & Buddhismus nicht vereinbar sind!?

Zwei Zitate vom Dalai Lama aus dem Buch „ Der buddhistische Weg zum Glück“ :

Ein Gott ist ein unabhängiges ewiges Wesen, das kurz gesagt, nicht leer ist.
Im Anfangsstadium kann man durchaus beides sein, praktizierender Buddhist und Christ. Doch wenn man dann irgendeinem Pfad weit genug folgt, wird es schließlich notwendig werden, einen spirituellen Weg samt der ihm zugrunde liegenden Metaphysik zu akzeptieren.

Daraus folgere ich, dass sich der Glauben an einen Schöpfergott und der Buddhismus nicht vereinbaren lassen. Christen können wohl Teile aus dem Buddhismus verwenden, aber solange sie nicht die Leerheit anerkannt haben sind sie Christen und keine Buddhisten. Denn sollten sie die Leerheit anerkennen, werden sie an keinen Schöpfergott mehr glauben.

Zeigt das nicht, daß man nicht an Gott glauben darf, wenn man Buddhist ist?

Mir ging es darum, daß der Satz ‚Buddhisten glauben an keinen Schöpfergott‘ im Hinblick auf die Wirkung bei evtl. neu Interessierten so nicht unbedingt stimmt und dem Buddhismus eine ‚theologische Schärfe‘ unterstellt, die er nicht hat. Selbstverständlich hat der Dalai Lama Recht damit, wenn er sagt, daß sich das Postulat eines Schöpfergottes nicht mit der buddhistischen Lehre vereinbaren lässt. Es gibt  aber Buddhisten, die an Gott im Sinne eines Schöpfers, oder wie auch immer ‚glauben‘ und der Buddhismus kennt keine Exkommunikation von Buddhisten, die an Gott glauben. Was Gott oder Götter sind, ist wieder eine andere Frage und ein anderes Thema. Insofern stellt sich ganz generell auch nicht die quasi inquisitorische Fragestellung nach dem, was man ‚als Buddhist glauben darf.‘

Wie Du ja gelesen hast, habe ich sehr wohl die Trennung vollzogen zwischen dem, was der einzelne Buddhist glaubt und dem, was der Buddhismus lehrt. Dabei ging es mir zuvorderst um diese praktische Ausrichtung auf das Beenden des Leids, die der Buddhismus hat, er ist damit eher eine orthopraktische Religion, als eine orthodoxe, wenn man das mal so beschreiben will und jedwede Metaphysik kommt da erst an zweiter Stelle. Ich gebe Dir Recht, das die buddhistische Metaphysik nicht einen Schöpfergott postuliert, aber wie man diesen im Einzellfall definiert, mag bei jedem anders sein und nicht immer mit einem naiven christlichen Verständnis kongruent sein, wie man es so kennt. Es gibt auch Buddhisten, die nicht an Wiedergeburt glauben und auch hier muss man sagen, daß dies zur Lehre Buddhas  unauflösbar dazugehört, aber es gibt keinen Ausschluß von Buddhisten aus der Sangha, die da eine andere Meinung haben. Viele glauben auch eher an eine verkappte Form von Reinkarnation, anstatt an Wiedergeburt, was so auch nicht ‚reine Lehre‘ ist und auch da gibt es keine Konsequenzen, ebenso wie es in vielen Kulturen mehrere Zugehörigkeiten gibt im religiösen Sinne, wie etwa in Japan. Dort wird nicht nach orthodoxer Lehrmeinung gefragt, die der einzelne Bekenner nun nach innen wie außen zu vertreten hat, das ist eher westliches Denken.

Und der Dalai Lama ist nun nicht unbedingt Sprecher ‚des Buddhismus‘, er lehnt auch Oralsex und Homosexualität ab, was eher seine kulturell geprägte Meinung ist und weniger buddhistisch allgemeingültige Lehre.

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